DuoTherm – Die Vor- und Nachteile des Wandaufbaus

Das DuoTherm-System kommt häufig bei Einfamilienhäusern zum Einsatz und wird z. B. von der Firma Kernhaus angeboten. Doch wie jedes System, hat auch dieses Vor- und Nachteile. Worauf sollten Sie bei der Entscheidung achten, ob Sie mit DuoTherm bauen wollen?

Ein Einfamilienhaus mit DuoTherm-Mauerwerk des Herstellers Kernhaus - Foto: T. Möller
Thomas Möller

Ein Artikel von

Thomas Möller, Dipl.-Ing. (FH)

zertifizierter Bausachverständiger

www.sv-tm.de

Was ist DuoTherm eigentlich?

DuoTherm ist im eigentlichen Sinne kein Stein und auch kein Mauerwerk, wohl aber ein Wandaufbau, mit dem sich problemlos Wände erstellen lassen. Es besteht aus zwei EPS(Styropor)-Platten und wird in der Mitte mit Beton ausgegossen. Das System ist nicht in einer DIN-Norm geregelt, sondern es gibt eine Zulassung des Deutschen Instituts für Bautechnik. Es ist also ein zugelassenes, geprüftes Produkt. Nach dieser Zulassung handelt es sich bei DuoTherm um ein „nicht-tragendes verlorenes Schalungssystem bestehend aus EPS-Schalungselementen“ (ETA-07/0235 vom 6. September 2018). Das System wird oft von der Firma Kernhaus angeboten.

Wie funktioniert das DuoTherm-System

Es werden zweiseitig Dämmplatten ineinandergesteckt, die in der Mitte ein Loch lassen. Das Stecksystem erinnert ein wenig an Lego. Die beiden Außenschalen der Dämmung sind mit Ankern untereinander verbunden. Das verhindert ein Auseinanderdriften der EPS-Schalung, wenn in der Mitte der Beton eingefüllt wird. So entsteht eine Betonwand, die sowohl auf der Innen- als auch auf der Außenseite eine EPS-Dämmung hat. Die Wände sind dann aber noch nicht komplett fertig. Wie bei Mauerwerk müssen noch Innenputz und Außenputz aufgebracht werden. Mit diesem System lassen sich also problemlos Häuser bauen. Welche Vor- und Nachteile hat das Bauen mit DuoTherm?

Die Vorteile von DuoTherm

Das Bauen mit DuoTherm geht schnell. Die Elemente werden ineinandergesteckt und mit Beton ausgegossen. Fertig ist die Wand mit Wärmedämmung. Bei anderen Ausführungen, beispielsweise mit Kalksandstein, muss die Wärmedämmung im Nachgang aufgeklebt werden. Dieser Arbeitsschritt entfällt hier jedoch. Zudem wird diese Art von Wandaufbau häufig günstiger angeboten als konventionelles Mauerwerk. Diese Ausführung kann also auch Geld sparen. Das ist für viele eines der wichtigsten Argumente, gerade bei immer höher steigenden Baukosten.

Durch das Verwenden einer Innendämmung sind die Öberflächentemperaturen im Innenbereich hoch. Es sind also keine „kalten Wände“ vorhanden. Das wirkt sich wiederum positiv auf die Behaglichkeit im Haus aus. Auch Wärmebrücken lassen sich durch das System reduzieren, da die Wand sowohl innen als auch außen gedämmt ist. Außerdem ist der Kern aus Beton sehr dicht. Damit lassen sich gute Schallschutzwerte gegen Außenlärm erzielen. Zusätzlich lassen sich im Betonkern hohe Lasten befestigen.

Ein weiterer Vorteil ist, dass mit DuoTherm errichtete Häuser massiv sind. Denn eins steht fest: Beton ist massiv und hat hervorragende Trageeigenschaften. Wer also ein massives Haus wünscht, bekommt mit DuoTherm genau das.

Angebliche Vorteile von DuoTherm

Ein oft vorgebrachtes Argument ist, dass der Wandaufbau deutlich geringer sei als bei anderen Bauweisen. Das stimmt jedoch nur zum Teil. Natürlich ist der Wandaufbau mit DuoTherm sehr schmal. Eine zweischalige Wand, z. B. mit Klinker, ist deutlich breiter. Auch monolithische Wände können je nach Ausführung breiter sein.

Hier jedoch ein Vergleich: Eine 15 cm starke Wand aus Kalksandstein mit 14 cm Wärmedämmung außen besitzt, bis auf wenige Millimeter, die gleiche Wandstärke wie der DuoTherm-Aufbau mit 10,4 cm Außendämmung, 14,2 cm Betonkern und 5,4 cm Innendämmung. Der Wandaufbau mit Kalksandstein und Wärmedämmung wird bei ca. 30 cm liegen, wobei 1 cm für den Kleber der Dämmung berücksichtigt werden muss. Der DuoTherm-Wandaufbau liegt ebenfalls bei 30 cm. Auch der U-Wert, der Wärmedurchgangskoefizient, unterscheidet sich bei beiden Ausführungen kaum, könnte jedoch beim Kalksandstein mit Dämmung minimal besser sein. Wer Wandaufbauten vergleicht, der sollte sie sich genau anschauen und auch andere schmale Wandaufbauten zum Vergleich heranziehen. Nichtsdestotrotz ist die Wandstärke des DuoTherm schmal, jedoch nicht der einzige schmale Wandaufbau, denn auch klassisches Mauerwerk mit Dämmung ermöglicht ähnlich schmale Wandaufbauten.

DuoTherm: Welche Nachteile hat das System?

Jeder Wandaufbau hat Vor- und Nachteile. Das ist auch hier der Fall. So ist die Innendämmung, die mit Gipsputz verkleidet wird, nicht so hart wie Mauerwerk im Allgemeinen. Einfach einen Nagel in die Wand zu schlagen, der dann auch hält, ist nur schwer möglich. Um Befestigungen anzubringen, ist es nötig, bis in den Betonkern zu befestigen. Hierfür benötigt man in der Regel eine Schlagbohrmaschine. Glücklicherweise befestigt man aber nicht täglich neue Gegenstände an Wänden.

Wer massiv baut, wünscht sich manchmal einen Rohbau aus nicht brennbaren Baustoffen. Das ist mit DuoTherm nicht möglich, den EPS ist brennbar! Einen nichtbrennbaren Wandaufbau kann man mit monolithischem Mauerwerk aus Ziegel oder Porenbeton erreichen. Auch Mauerwerk, das mit nichtbrennbarer Dämmung versehen wird, beispielsweise Kalksandstein mit einem Wärmedämmverbundsystem aus Mineralwolle, eignet sich hierfür.

Ein weiterer Nachteil sind aufwendigere Anschlüsse bei der Abdichtung. Normalerweise erfolgt die Bauwerksabdichtung direkt auf dem Mauerwerk. Auch die bodentiefen Fenster im Erdgeschoss werden an diese Abdichtung angeschlossen. Bei DuoTherm muss diese Abdichtung auf die äußere EPS- Dämmung geführt werden. Dieser Anschluss ist komplizierter als bei herkömmlichem Mauerwerk und kann auch nicht mit allen Materialien ausgeführt werden. Beispielsweise können Bitumenschweißbahnen nicht auf die Dämmung aufgebracht werden. Die Bauwerksabdichtung und die Fensteranschlüsse sollten sorgsam geprüft werden. Es gilt zu vermeiden, dass Wasser in das System eindringt. Das ist zwar bei jeder Wand so, nur durch das Stecksystem könnten die Eintritt- und die Austrittsstelle in verschiedenen Bereichen liegen, wodurch die Ortung schwieriger wird. Deswegen: Schenken Sie den Abdichtungsarbeiten am Bauwerk besondere Aufmerksamkeit.

Angebliche Nachteile von DuoTherm

Das Argument, in einem „Styroporhaus“ (die richtige Bezeichnung wäre EPS, expandiertes Polystyrol) zu wohnen, sei unangenehm und das Wohnklima wäre hier schlecht, ist absoluter Unsinn. Jeder der behauptet, Wände müssen atmen können, versteht weder etwas vom Bau noch von Bauphysik. Wände atmen nicht, sondern sollten luftdicht ausgeführt werden. Das ist übrigens bei jedem Neubau so, ob massiv oder als Holzbau. Für den notwendigen Luftaustausch sorgen entweder moderne Lüftungsanlagen, manuelle Fensterlüftung oder eine Kombination aus beidem. Hilfreich ist hingegen, wenn Baustoffe etwas Feuchtigkeit „aufnehmen“ und wieder abgeben können. Dafür reicht der Innenputz jedoch allemal aus. Und auch dieser Effekt ist nur gering und wird oft überbewertet. In einem DuoTherm-Haus erhalten Sie ein angenehmes Wohnklima. Es ist auch kein Nachteil, dass außen ebenfalls EPS verbaut ist, sondern es ist einfach eine Entscheidung über die Art der Dämmung. Viele moderne Neubauten werden außen mit EPS gedämmt.

Thomas Möller