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Die Silikonfuge im Badezimmer – entscheidend für Optik und Funktion

Bei einem neuen Bad wird viel überlegt, geplant und ausgesucht - an die Silikonfuge denkt man da aber als Letztes. Sie ist jedoch technisch wichtig und auch die Optik muss passen. Ist bei der Fuge eine Wartung notwendig? Wann sollte eine Fuge ausgetauscht werden? Und was ist bei der Auswahl des Materials zu beachten?

Ein Handwerker verfugt Fliesen im Badezimmer

Die Silikonfuge – eine Wartungsfuge die erneuert werden muss?

Neben der Sollrissfuge, der Dehnungsfuge und der Bauwerksfuge ist auch die Wartungsfuge ein bautechnisches Detail mit einer besonderen Funktion. Der mit einem Dichtstoff gefüllte Spalt hat die Aufgabe, Bauteile sowohl vor chemischen, biologischen als auch mechanischen Kräften bzw. Witterungseinflüssen zu schützen.

Die für eine Wartungsfuge üblicherweise regelmäßig durchzuführende Sicht- und Qualitätsprüfung erfolgt gemäß der Normenreihe DIN EN 15651-1 bis 5, welche nach der Europäischen Bauproduktenverordnung, die im April 2011 verabschiedet wurde, in Kraft trat. Für das häusliche Bad oder die Küche gilt vor allem der Teil 3 − Dichtstoffe für Fugen im Sanitärbereich.

Die DIN sieht vor, dass die für die Wartungsfuge verwendeten hochbelasteten und bewegungsausgleichenden Dichtstoffe oder aufgeklebten elastischen Fugenbänder stetig gewartet und, falls notwendig, erneuert werden müssen. Die Grundsatzaussagen zu Normung und Qualität dieser Fugendichtstoffe nennt verschiedene Grundanforderung, die das verwendete Material zur Aufrechterhaltung seiner Schlüsselfunktionen erfüllen muss. Als Grundsatz gilt dabei die in der DIN 52460 zusammengefasste Definition einer Fuge, die an den Dichtstoff, das Dichtband oder die Folie folgende Anforderungen stellt:

  • mechanische Festigkeit und Standsicherheit
  • Brandschutz
  • Hygiene, Gesundheit und Umweltschutz
  • Sicherheit und Barrierefreiheit bei der Nutzung
  • Schallschutz
  • Energieeinsparung und Wärmeschutz

Neben der Verwendung als Dichtstoff für die Wartungsfuge ist das Silikon vor allem als feuchtigkeitsabweisendes Material bei der Anschlussfuge im Gebrauch. Diese Fugen finden sich vor allem im Sanitärbereich, wenn zwischen zwei verschiedenen Bauteilen ein aufeinandertreffen stattfindet (z. B. Duschwanne und Fliese oder Wandfliese und Bodenfliese). Dabei sollte beachtet werden, dass Silikone synthetische Polymere aus Silizium sind, die je nach Zusammensetzung unterschiedliche Eigenschaften aufweisen. Das macht sich sowohl beim altersbedingten Verschleiß als auch bei der Aushärtung und der Verwendbarkeit bemerkbar. So lassen sich neutrale Silikone mit einem relativ breiten Haftungsspektrum für Metalle, Zement und Kunststoffe verwenden, wohingegen saure Silikone als Beispiel hauptsächlich im Sanitärbereich Verwendung finden, da sie ausschließlich für Glas und glasierte Flächen im Nassbereich empfohlen werden. Die Wartung der Silikonfuge beugt Schimmelbefall und Feuchtigkeitsbildung vor.

Wann sollte eine Silikonfuge ausgetauscht werden?

Eine verschimmelte Silikonfuge im Badezimmer an der Ablaufrinne der Dusche
Schimmelbefall ist ein häufiger Grund für den Austausch einer Silikonfuge. © stock.adobe.com / #226090810 / Mitch Shark

Da Silikonfugen nicht ewig halten, ist es notwendig, sie hin und wieder zu erneuern. Ein häufiger Grund für den Austausch ist Schimmelbefall. Am schnellsten geschieht dies in den Bereichen mit der höchsten Wasserbelastung, wie Dusche oder Badewanne. Haben die Fugen erst einmal begonnen zu schimmeln, kommt nur noch ein Austausch in Frage. Dafür muss die alte Silikonfuge komplett entfernt und eine neue eingebracht werden.

TIPP: Gehen Sie beim Entfernen behutsam vor. Häufig befindet sich im Duschbereich hinter der Silikonfuge ein Abdichtungsband. Dies sollte beim Entfernen der Silikonfuge auf keinen Fall beschädigt werden.

Risse sind ein weiterer Grund für den Austausch. Sind die Silikonfugen alt oder der Estrich senkt sich am Randbereich, sind Risse in der Silikonfuge die Folge. Dieser Vorgang wird im Fachbereich auch „schüsseln“ genannt. Eine gerissene Fuge ist nicht nur unschön, sondern sie ist defekt. So kann z. B. beim Wischen Wasser zwischen Fliese und Sockelleiste eindringen. Außerdem übernimmt die Silikonfuge häufig die Abdichtung. Das ist technisch zwar nicht korrekt, aber in der Praxis – besonders in Altbauten – oft anzutreffen. Reist die Fuge im Spritzwasserbereich der Dusche, kann Wasser in die Estrichdämmschicht nach und nach eindringen und es kommt zu einem Feuchtigkeitsschaden. Deswegen sollten die Silikonfugen grade hier in einem einwandfreien Zustand sein.

Ist Silikon gleich Silikon?

Silikon-Kartuschen und ein Fugenschaber
Wer billig kauft, kauft zweimal: Das gilt auch bei Silikon. Achten Sie also auf hochwertiges Material. © stock.adobe.com / #41762641 / PhotoSG

Wie bei allen Produkten gibt es hoch- und minderwertige Varianten. Das ist bei Silikon nicht anders. Achten Sie auf hochwertiges Silikon, im Duschbereich darf es gerne fungizid sein, damit sich Schimmel nicht so schnell bildet. Bekannte Hersteller sind Beispielsweise Otto Chemie, PCI oder Würth.

Bei einem modernisierten oder sanierten Bad empfiehlt es sich, die Silikonfugen von Ihrem Fliesenleger, Sanitärinstallateur oder Versiegler herstellen zu lassen. In der Regel weiß der Fachmann, welche Silikone für welchen Zweck am besten geeignet sind. Und bei einer kompletten Sanierung oder einer Erneuerung des Silikons sind wenige Euro Mehrpreis pro Kartusche nur ein kleiner Posten.