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Das richtige Fenster für Ihr Zuhause

Wer seine Fenster plant, muss einiges beachten. Wie groß sollten sie sein? Ist Kunststoff, Holz oder Aluminium das richtige Material? Und was ist bei Schall- und Wärmeschutz zu beachten? Fenster sind elementar für ein Gebäude. Sie bringen nicht nur Licht, sondern auch Frischluft. Wir zeigen die Kriterien für die richtige Planung.

Große Eckfenster mit Schiebeelement vom Wohnzimmer zur Terrasse mit Aussicht auf einen See

Die Kriterien, nach denen Fenster geplant werden, hängen natürlich vom Gebäude ab. Bei einem Neubau stehen alle Möglichkeiten offen und so sind Größe und Material frei wählbar. Aber auch im Bestand kann ein Umbau oder eine Vergrößerung von Fensteröffnungen einen positiven Effekt haben. Dabei sind natürlich die Kosten zu berücksichtigen. Die Kriterien für das Planen von Fenstern sind folgende:

  • Größe, Form und Aufteilung
  • Materialwahl: Kunststoff, Holz oder Aluminium
  • Die Art der Verglasung – zweifach oder dreifach
  • Zusätze wie Einbruchschutz, Rollläden, Griffoliven und Lüftung

Größe, Form und Aufteilung

Große Fensterschiebetür zu Terrasse und Garten
Durch große Schiebetüren verschmelzen Wohnraum und Terrasse und vermitteln ein luftiges Wohngefühl. © stock.adobe.com / #116710913 / Photographee.eu

Wie groß sollten Fenster sein? Die Antwort ist einfach – möglichst groß, aber nicht so groß, dass der Raum nicht mehr nutzbar ist, schließlich braucht jeder Stellflächen für Möbel. Große Fensterfläche an sich sind unschlagbar. Je nach Aussicht geben sie das Gefühl direkt draußen zu sein, obwohl man sich drinnen befindet. In vielen Bundesländern ist jedoch nur vorgeschrieben, dass das Rohbauöffnungsmaß der Fenster in Aufenthaltsräumen 1/8 der Netto-Grundfläche beträgt. Detailliert kann das in der jeweiligen Landesbauordnung nachgelesen werden. Hält man das Mindestmaß ein, bekommt man nur relativ kleine Fenster. Es lohnt sich jedoch große Fensterflächen zu planen und viel Tageslicht in den Wohnraum zu lassen. Natürlich sollte eine Verschattung durch Rollläden oder Raffstores möglich sein, damit die Räume sich im Sommer nicht zu stark aufheizen.

Tipp: Planen Sie möglichst große Fensterflächen, bei denen der Raum dennoch nutzbar ist.

Bei der Aufteilung gilt es, die einzelnen Räume zu beachten. Im Wohnzimmer, und hier besonders das Fenster zu Terrasse oder zum Balkon, lohnen sich große Schiebetüren. Im Sommer besteht so die Möglichkeit, die Tür weit zu öffnen. Dadurch verschmilzt der Wohnraum und die Terrasse zu einem großen Bereich. Auch weitere Fenster im Wohnzimmer lohnen sich in bodentiefer Ausführung, um den direkten Bezug nach draußen zu haben. Selbstverständlich muss der Übergang von innen nach außen barrierefrei ausgeführt werden. Dann liegt nur eine kleine Schwelle von ≤20 mm vor. Die Abdichtung dieses Punktes erfordert dann einen etwas höheren Planungsaufwand.

In der Küche geben Fenster oberhalb der Arbeitsplatte den Blick nach draußen frei. Die Fenster sollten aber hoch genug sein, um z. B. beim Öffnen nicht gegen den Wasserhahn der Spüle zu stoßen. Wenn Kinderzimmer und Büros groß genug sind, ist ein bodentiefes Fenster mit Panoramablick ein Gewinn. Handelt es sich eher um kleine Räume, dann steht in Fensternähe oft ein Schreibtisch. Hier sind Fenster mit einer Brüstung sinnvoll, damit der Platz optimal genutzt werden kann. Diese dürfen dann ruhig etwas breiter sein, um viel Licht in den Raum zu lassen.

Bei der Planung fürs Badezimmer muss auf die Lage des Fensters in der Anordnung zu den Objekten geachtet werden. Leider wurde schon des Öfteren ein bodentiefes Fenster neben dem WC geplant. Wer viel Licht, aber keine Blicke ins Bad hineinlassen möchte, kann Fenster mit Folie wählen, die einen Milchglaseffekt erzeugt. In jedem Fall sollte im Badezimmer ein Fenster geplant werden. Innenliegende Bäder verlieren oft ihren Charme.

Schlafzimmer mit großem Fenster, Pflanzen und Blick ins Grüne
Wer vom Schlafzimmer aus ins Grüne blickt, freut sich über großzügige Fenster. © stock.adobe.com / #276641001 / artjafara

In Schlafräumen kommt es auf die Lage des Hauses und die Größe des Raumes an. Vom Bett einen direkten Blick auf die Natur zu haben ist herrlich, die Straße hingegen möchte wohl eher niemand sehen. Gestalten Sie die Fenster individuell zu Ihren Bedürfnissen und der Einrichtung.

Bei der Aufteilung der Fenster sind Öffnungsmöglichkeit und das Verhältnis Höhe zu Breite relevant. Generell können Fenster festverglast, als Dreh- oder Dreh-Kipp-Variante gebaut werden. Bei dem zu öffnenden Flügel sollte das Verhältnis von Höhe zu Breite beachtet werden, da mit wachsender Breite das auf den Befestigungen lastende Gewicht steigt. Bei Fenstern mit zwei Flügeln besteht die Möglichkeit, einen Stulpflügel zu wählen. An diesem ist der Mittelpfosten befestigt und das gesamte Fensterelement lässt sich öffnen und gibt ein ungestörtes Panorama frei.

Bei bodentiefen Fenstern in Obergeschossen ist außerdem eine Absturzsicherung vorzusehen. Das kann ein festverglastes Brüstungselement mit absturzsicherer Verglasung sein oder ein französisches Fenstergitter. In beiden Fällen sind die vorgeschriebenen Höhen für eine Umwehrung zu beachten.

Materialwahl: Kunststoff, Holz oder Aluminium

Die Materialauswahl des Profils hat entscheidende Auswirkung auf die Optik, die Instandhaltung, die Langlebigkeit, die Dämmwirkung und den Preis. Das ist auch eine grundsätzliche Entscheidung: Möchten Sie besonders ökologisch bauen oder in erster Linie günstig? Gibt es sehr große Fensterflächen? All das kann zur Entscheidung über das Material beitragen.

Tipp: Nimmt man kostengünstigere Kunststofffenster, kann man durch die Haustür aus Holz oder Aluminium trotzdem hochwertige Akzente setzen.

Eins ist bei jedem Material ähnlich: Die Farbe des Fensterrahmens hat massive Auswirkungen. Bei dunklen Fenstern ist die Thermische Belastung um ein Vielfaches höher als bei weißen Fenstern. Deswegen werden z. B. dunkle Kunststoffprofile mit einem verstärkten Stahlkern gebaut.

Kunststoff

Ein Kunststofffenster im Querschnitt mit Dreifach-Verglasung
Kunststofffenster sind weit verbreitet und kostengünstig. © stock.adobe.com / #188613389 / Youril

Kunststoff ist die günstigste und am weitesten verbreitete Variante bei den Fensterprofilen. Hierbei stehen viele Oberflächen und Farben zur Auswahl. Jedoch ist Kunststoffprofil nicht gleich Kunststoffprofil. Es gibt sehr viele Hersteller mit unterschiedlichen Profilaufbauten. Diese haben wiederum variierende Dämmeigenschaften und verschiedene Vor- und Nachteile. Unterschiede erkennt man unter anderem an der Bautiefe, dem Kammersystem und der Art der farbigen Oberfläche. Wichtig ist der durchgehende Stahlkern im Inneren. Er verleiht dem Fenster Stabilität und reduziert ein Verziehen der Fenster.

Holz

Ein Holzfenster im Querschnitt mit Dreifach-Verglasung
Holzfenster sind wartungsintensiv, haben aber gute Dämmeigenschaften und sind bei richtiger Pflege sehr langlebig. © stock.adobe.com / #89576954 / algre

Holz ist logischerweise der ökologischste Baustoff für Fensterprofile. Da Holz gute Dämmeigenschaften besitzt und die Profile massiv sind, lassen sich mit Holz hervorragende Fenster bauen. Allein bei Optik und Haptik sind Holzfenster einzigartig. Ein allgemein bekannter Nachteil sind die deutlich höheren Instandhaltungsaufwendungen. Regelmäßig muss man Holzfenster lasieren oder lackieren. Der vermeintliche Nachteil kann aber auch zum Vorteil werden. Durch die regelmäßige Überarbeitung sehen Holzfenster immer wieder gut aus und können auch farblich verändert werden. Bei regelmäßiger Pflege sind Holzfenster sehr langlebig.

Aluminium

Aluminiumfenster im Querschnitt mit Mehrfachverglasung
Aluminiumfenster wirken hochwertig und haben eine hohe Eigenstabilität, weshalb man sie auch als komplette Fassaden verbauen kann. © stock.adobe.com / #306731608 / xiaoliangge

Fenster mit Aluminiumprofilen wirken in jeder Hinsicht hochwertig und sind dementsprechend teurer. Häufig werden sie in Büros und Verkaufsstätten eingebaut. Sehr große Fenster oder gar Fassaden aus Fenstern sind meistens aus Aluminium. Das liegt daran, dass Aluminium die höchste Eigenstabilität bei den Fensterprofilen aufweist.

Jedoch sind die Fenster nicht komplett aus Aluminium. Denn dann wären sie nicht wärmedämmend. Aluminiumfenster haben im Prinzip zwei Schalen, eine innere und eine äußere. Verbunden bzw. gekoppelt sind sie mit einem Kunststoffkern, der für die thermische Trennung sorgt. Es lassen sich sehr gute Dämmeigenschaften mit Aluminiumfenstern erzielen. Im Allgemeinen besitzen aber Kunststofffenster eine leicht bessere Wärmedämmung.

Die Art der Verglasung – zweifach oder dreifach

Ein entscheidender Faktor beim Thema Wärmedämmung ist das Glas. Einscheibenverglasung, an der im Winter von innen Eisblumen wachsen, gehören schon lange der Vergangenheit an. Die meisten Gebäude besitzen mindestens eine Zweifach-Verglasung.

Plant man einen Neubau stellt sich die Frage nicht. Dann sollte man in jedem Fall eine Dreifach-Verglasung wählen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Eine deutlich bessere Wärmedämmung und bei entsprechender Ausführung auch ein deutlich besserer Schallschutz.

Beim Altbau ist die Frage nicht ganz so einfach zu beantworten. Wird ein Bestandsgebäude komplett modernisiert, erhält also auch eine Wärmedämmung, kann eine dreifach Verglasung eingesetzt werden. Doch Vorsicht in ungedämmten Altbauten! Hier können neue und dichte Fenster zu mehr Wärmebrücken führen und so nachteilig sein. Hier ist eine bauphysikalische Prüfung notwendig. Dabei kann als Ergebnis eine Empfehlung für eine Zweifach- statt Dreifach-Verglasung herauskommen.

Zusätze wie Einbruchschutz, Rollläden, Griffoliven und Lüftung

Bereits im Vorfeld den Einbruchsschutz zu planen ist äußerst sinnvoll. Hierbei gibt es die sogenannten RC-Klassen (für „Resistance Class“). Sie zeigen auf, wie widerstandsfähig ein Fenster ist. Die meisten Einbrüche an Fenstern erfolgen nicht durch Einschlagen der Scheibe, denn hierbei besteht auch für den Einbrecher Verletzungsgefahr. Stattdessen werden die Fenster aufgehebelt, so dass sie sich öffnen lassen. Um das zu erschweren, lassen sich entsprechende Verriegelungen einbauen. Eine gute Wahl als Standard ist RC 2 N. Wer darüber hinaus noch beim Glas einen Schutz möchte, kann RC 2 wählen. Detaillierte Informationen findet man in der DIN EN 1627 und in einem Infoblatt des IFT-Rosenheim.[1]

Tipp: Die Klasse des Einbruchsschutzes sollte sich nach der Lage des Gebäudes und Ihrem persönlichen Sicherheitsbedürfnis richten.

Rollläden oder Raffstores sollten unbedingt berücksichtigt werden. Zum einen verschatten sie und bieten so Schutz vor der sommerlichen Wärme, zum anderen bewahren sie die Privatsphäre. Rollläden bestehen häufig aus Kunststoffpanzern und in der höherwertigen Ausführung aus Aluminiumpanzern. Wichtig: Bei dunklen Rollladenpanzern sollte Aluminium gewählt werden, da sich dunkle Kunststoffpanzer bei starker Sonneneinstrahlung leicht verformen.

Der Antrieb sollte elektrisch sein. Dann können über Zeitschaltuhren die Rollläden hoch- und runtergefahren werden. Und selbst wenn man sich im Urlaub befindet, scheint es so, als wäre das Haus bewohnt. Für die jeweils pro Geschoss geplanten zweiten Rettungswege muss jedoch noch zusätzlich ein „Notkurbel“ eingebaut werden. Denn wenn es brennt und der Strom ausfällt, muss der zweite Rettungsweg dennoch begehbar sein. Hierfür kann man den Rollladenpanzer dann hochkurbeln.

Als Alternative gibt es noch die Standardkurbeln und den Gurt. Sie sind beide mechanisch zu bedienen und kostengünstiger als die elektrische Variante, da man weder eine elektrische Leitung noch einen Motor benötigt. Es gilt also den Kosten-Nutzen-Faktor für sich persönlich abzuschätzen.

Etwas Individuelles sind Griffoliven, so nennt man den Fenstergriff. Hier kann eine optisch hochwertige Ausführung das Fenster aufwerten. Selbst bei einem Kunststofffenster, das innen weiß ist, macht ein Griff aus Edelstahl einen Unterschied. Entgegen der langläufigen Meinung sind abschließbare Fenstergriffe alleine ohne zusätzliche Sicherungsmaßnahmen kein wirkungsvoller Einbruchsschutz. Sie verhindern jedoch, dass Kinder selbstständig das Fenster öffnen und herausklettern können.

Fenster dienen auch der Lüftung. Am häufigsten wird manuell gelüftet. Jedoch können Zusätze im Fensterrahmen oder im Rollladenkasten einen geregelten Luftstrom einlassen. Sogenannte Fensterfalzlüfter oder Luftdurchlässe für den Rollladenkasten können in der Lüftungsplanung berücksichtig werden.

[1] IFT Rosenheim https://www.ift-rosenheim.de/documents/10180/41335/FA_BM1201.pdf/7daebe82-7cff-4f71-9ae9-3cff7d81b063