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Moderne Elektroinstallation – Das sollten Eigentümer wissen

Sie planen einen Neubau oder Umbau und befassen sich mit der Elektroinstallation? Dann ist Ihnen sicher aufgefallen: Kaum ein Zweig der Haustechnik hat sich in den vergangenen Jahren so schnell weiterentwickelt. Wir verraten Ihnen, wann es Zeit für eine Modernisierung der Elektrik ist und welcher Umfang in welchem Zimmer sinnvoll ist.

Eine Illustration zeigt das Konzept einer intelligenten Haustechnik

Wann sollte die Elektroinstallation erneuert werden?

Die Elektroinstallation ist neben dem Mauerwerk der Teil des Gebäudes, der die längste Lebensdauer aufweist. Große Teile der Elektrik funktionieren über mehrere Jahrzehnte. Die Sicherheitsvorschriften und die technologischen Möglichkeiten jedoch ändern sich schneller. Dank Bestandsschutz dürfen Sie alte Elektroanlagen noch lange weiterbetreiben. Eine Modernisierung erhöht jedoch die Sicherheit, den Komfort und senkt den Stromverbrauch.

Immer mehr Geräte werden in modernen Gebäuden elektrisch betrieben. Das reicht von Licht und Steckdosen über elektrische Rollläden bis hin zu Smarthome-Geräten. Strom ist der perfekte Antrieb für das moderne Haus, da er sich geräuschlos und emissionsarm über große Entfernungen transportieren lässt. Bei Smarthome-Geräten kommen überwiegend kabellose Verbindungen zum Einsatz, sodass eine nachträgliche Verkabelung meist nicht nötig ist. Die Nachrüstung derartiger Technik erhöht Ihren Komfort im Alltag enorm, da sich viele Vorgänge steuern und automatisieren lassen. Einige Bauherren lassen auch separate Schalter installieren, mit denen sie ganze Räume stromlos schalten können. Das spart noch mehr Strom.

Die gewöhnliche Verkabelung von Gebäuden wird in einigen Bereichen immer mehr von der BUS-Technik abgelöst. Dieses System funktioniert auf der Basis einer programmierten Steuerung. Es findet aber meistens bei Neubauten Anwendung, da eine nachträgliche Umrüstung zum BUS den kompletten Austausch der Verdrahtung erfordert.

Bei neuen Sicherheitsvorschriften sollten Sie dringend eine Modernisierung in Erwägung ziehen. Ein Beispiel ist die Pflicht zum Einbau eines FI-Schutzschalters in allen Wohnungsstromkreisen, die erst seit 01.02.2009 gilt. Ältere Installationen haben Bestandsschutz, FI-Schutzschalter haben jedoch weltweit schon viele Menschenleben gerettet. Ein Blick in die Unterverteilung verrät einer Elektrofachkraft sofort, auf welchem Stand die Installation ist.

Wie viele Schalter, Steckdosen und Deckenleuchten sind sinnvoll?

Verschiedene Steckdosen und Lichtschalter
In bestimmten Räumen ist es durchaus sinnvoll mehr Steckdosen zu installieren. © stock.adobe.com / #123679028 / MrP

In der DIN 18015-2 ist eine Mindestausstattung für Wohnungen und einzelne Zimmer festgelegt. Sie beschreibt die Mindestanzahl an Stromkreisen für Beleuchtung und Steckdosen und legt die Anzahl der Steckdosen, Lampenauslässe, Datendosen und anderer Anschlüsse fest. Für ein Wohnzimmer bis 20 m2 beispielsweise sind hier vier Steckdosen und zwei Lampenauslässe vorgesehen, für einen Hausarbeitsraum drei Steckdosen und ein Beleuchtungsanschluss.

Die RAL-RG 678 vom Deutschen Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung spezifiziert diese Anforderungen noch in Standard- und Komfortausstattung und wird bei Neubauten und Modernisierungen häufig angewendet. In speziellen Fällen können auch über die Normen hinausgehende Installationen sinnvoll sein. In Küchen beispielsweise werden oft mehr Steckdosen und Steckdosenstromkreise eingesetzt, um die Flexibilität bei der Nutzung zu erhöhen.

Angemessene Elektroinstallation für Küche, Bad, Schlaf- und Wohnzimmer

Die Normen beschreiben die Anzahl der Stromkreise, Leuchten und Steckdosen. Die Verteilung im Zimmer jedoch ergibt sich durch die Aufstellorte der Möbel. In der Küche sollten Sie in jedem Fall die Form der Arbeitsfläche für die Arbeitssteckdosen beachten. Zusätzlich benötigen Sie Anschlüsse für Kochfeld, Backofen, Mikrowelle, Kühlschrank, Gefrierschrank und Dunstabzug. Große Geräte werden separat abgesichert, um eine Überlastung des Allgemeinstromkreises zu vermeiden. Die Positionen der Anschlüsse sind im Küchenplan zu finden und sollten eingehalten werden, um Unstimmigkeiten mit der Kücheneinrichtung zu verhindern.

Im Badezimmer sind meist nicht so viele Steckdosen nötig. Die wichtigsten elektrischen Geräte sind Ladegerät für Zahnbürste und Rasierer, Haartrockner, Glätteisen und eventuell ein Handtuchtrockner oder Zusatzheizkörper. Bei offenliegenden Steckdosen in Waschbeckennähe bieten sich spritzwassergeschützte Steckdosen mit Deckel an. Bedenken Sie bei der Positionierung der Steckdosen, dass diese einen Mindestabstand von 60 cm zur Außenkante von Dusche und Badewanne einhalten müssen.

Schlafzimmer kommen ebenfalls mit wenigen Steckdosen und ein oder zwei Leuchtenanschlüssen aus. Am wichtigsten sind die Steckdosen seitlich des Bettes, um einen Wecker oder ein Ladegerät auf dem Nachttisch nutzen zu können. Eine frei zugängliche Steckdose im Raum erleichtert das Staubsaugen oder Bügeln. Sofern sich kein Fernseher oder Arbeitsplatz im Zimmer befinden, sind normalerweise keine speziellen Anschlüsse nötig.

Im Wohnzimmer kommt die meiste Technik unter. Meist werden alle technischen Geräte vom Fernseher über den Router bis zur Smarthome-Steuerung an einem zentralen Ort untergebracht. Planen Sie dort reichlich Anschlüsse, um den Verkabelungsaufwand zu minimieren. Am Multimediaschrank sollten mindestens einige Steckdosen, ein oder zwei Netzwerkanschlüsse und eine Dose für den Telefon- oder Antennenanschluss vorgesehen werden. Je nachdem, welche Geräte letztlich angeschlossen werden, können auch weitere Dosen und Anschlüsse sinnvoll sein. Durch das Verlegen von Leerrohren halten Sie sich Möglichkeiten für spätere Nachrüstungen offen. Besprechen Sie die Wohnzimmerinstallation am besten mit einer Elektrofachkraft. In diesem Zuge können Sie sich auch ein Angebot für die Elektroinstallation erstellen lassen.

Welche Kosten fallen für eine neue Elektroinstallation an?

Es gibt keine einheitlichen Preise für die Kosten der Elektroinstallation. Sie können sich bei der Kalkulation aber an ein paar marktüblichen Preisen orientieren. Bei gesamten Gebäuden nimmt die Elektroinstallation im Schnitt zwischen drei und fünf Prozent der Gesamtkosten an. Bei außergewöhnlicher Ausstattung können die Kosten auch darüber liegen.

Eine normale Steckdose oder ein Lichtschalter kostet im Schnitt zwischen 20 und 30 €. Smarte Raumthermostate oder Schalter kosten ab 50 € aufwärts. Bedienschalter für elektrische Rollos schlagen mit etwa 120 € zu Buche. Montage, Anschluss und Inbetriebnahme eines Zählerschranks kosten etwa 1.500 €.

Die Gesamtkosten richten sich stark nach dem Umfang der Ausstattung und der vorhandenen Installation. Die Modernisierung einer Wohnung mit einem Standard aus dem Jahr 2000 setzt nur ein paar kleine Änderungen voraus. Bei der Renovierung eines 60 Jahre alten Gebäudes hingegen, müssen meist sogar Leitungen erneuert werden. In diesem Fall kommen natürlich auch Kosten für den Rückbau der Altleitungen hinzu.

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