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Wie Sie Schallbrücken erkennen und beseitigen

Schalldämmung spielt im Hausbau eine wichtige Rolle. Und Baumängel im Schallschutz machen sich schnell durch Lärm bemerkbar. Schall dringt in jedem Fall in das Haus – die Frage ist nur wie viel. Die Schallübertragung kann durch Schallbrücken verstärkt werden. Wir geben Tipps für optimalen Schallschutz.

Eine Frau hält sich die Ohren wegen zu lauten Geräuschen zu

So wirken sich Mängel im Schallschutz aus

Wer sich daheim fühlt, als säße der Nachbar direkt mit am eigenen Frühstückstisch, hat ein Problem mit dem Schallschutz. In vielen Wohnungen und Häusern sind Schallbrücken dafür verantwortlich, dass Geräusche selbst durch massive Bausubstanz hindurch dringen. Und als klassische Brücke funktioniert der Effekt natürlich oft auch umgekehrt: Der Nachbar bekommt hautnah mit, was in der eigenen Wohnung passiert. Für alle Seiten ist das in der Regel belastend. Bevor allerdings Maßnahmen ergriffen werden, sollte man genau überprüfen, welche Art des Schalls und damit der Lärmbelästigung vorliegt. Denn grundsätzlich lassen sich zwei Arten von Schall unterscheiden: Luftschall und Körperschall bzw. Trittschall.

Luftschall: eine Frage der Schalldämmung

Als Luftschall werden Geräusche bezeichnet, die über die Luft übertragen werden. Das kann das Hupen des Autos auf der Straße sein, das Gespräch des Nachbarn oder auch das Kinderlachen vom Spielplatz. Geräusche, die über die Luft ins Innere des Wohnraums transportiert werden, gelangen durch die Bausubstanz hinein. Dabei ist wichtig: Je massiver ein Bauteil ist, desto besser der Luftschallschutz. Eine Ausnahme bilden zweischalige Bauteile, die zwar nicht massiv sind, aber durch das Masse-Feder-System hohe Schalldämmwerte erreichen. Beispiele hierfür sind leichte Trennwände oder schwimmender Estrich. Das Masse-Feder-System lässt sich am Beispiel einer Trockenbauwand erklären: Dabei ist auf beiden Seiten eine harte Schale, der Gipskarton, vorhanden. In der Mitte ist leichte Mineralwolle als Dämmung und die Unterkonstruktion vorhanden. Durch diesen Aufbau können bessere Schalldämmwerte erreicht werden als die reine Masse des Bauteils es ermöglichen würde.

Körperschall und Trittschall: das Problem der Schallbrücken

Ein Ehepaar kann wegen lauten Geräuschen nicht schlafen und hält sich die Ohren mit den Kissen zu
Durch Schallbrücken werden verschiedene Geräusche übertragen – z. B. die Musikanlage des Nachbarn. © stock.adobe.com / #38060773 / drubig-photo

Die zweite Art, auf die Geräusche in die Wohnung gelangen, sind Schallbrücken. Über diese werden Trittschall und der sog. Körperschall übertragen – also beispielsweise Vibrationen, die ein Körper durch Reden oder Bewegung erzeugt. Auch Vibrationen anderer Art, z. B. durch eine Musikanlage, werden über Schallbrücken übertragen. Außerdem ergibt sich Körperschall, wenn direkt ein Bauteil in Schwingung versetzt wird, beispielweise beim Einschlagen eines Nagels.

Schallbrücken, die den Trittschallschutz aushebeln

Eines der lästigsten Probleme in Mehrfamilienhäusern ist das gefühlt kaum gedämpfte Übertragen jeden Schrittes, den der Nachbar in der oberen Etage macht. Sogar in mehrstöckigen Einfamilienhäusern kann das passieren. Denn Schallbrücken, die den Trittschallschutz aushebeln, gibt es in allen Gebäudearten. Schallbrücken lassen sich übrigens nicht komplett verhindern jedoch reduzieren.

Solche Schallbrücken entstehen, indem schwingungsübertragende Bauteile eine direkte Verbindung erhalten. Das kann unter anderem der Fall sein, wenn eine Estrichplatte eine starre Verbindung zur Wand oder zur Rohdecke hat, anstatt schwimmend auf der Rohdecke aufzuliegen. Generell sind starre Verbindungen ein Problem für den Schallschutz: Sind beispielsweise Stiegen oder Podeste über eine starre Befestigung mit der Wand verbunden, übertragen sie Trittgeräusche sehr direkt – und laut. Auch, wenn Rohrleitungen ohne Schallentkopplung installiert werden, entstehen Schallbrücken.

Zudem können die lästigen Schallbrücken auch durch harte Fußleisten, Aussteifungsprofile, Türzargen oder durch Ausgleichsspachtelmassen zwischen Bauelementen entstehen. Auch zwischen Reihenhäusern können, bei Mängeln an der Haustrennwand, die Geräusche des Nachbarn deutlich hörbar werden. Darüber hinaus können technische Anlagen, wie Aufzüge, Lüftungs- und Heizungsanlagen, wie sie unter anderem in Mehrfamilienhäusern vorkommen, für Beeinträchtigungen sorgen.

Schallmessung

Wer das Gefühl hat, dass Umgebungsgeräusche oder Lärm aus Nachbarhäusern bzw. -wohnungen zu laut im eigenen Wohnumfeld ankommen, kann eine Schallmessung vornehmen. Grundsätzlich ist die Art der Lautstärke zu unterscheiden. Bei Gesprächen beispielsweise ist es ein erheblicher Unterschied, ob lediglich wahrnehmbar ist, dass jemand spricht oder ob man versteht, was gesagt wird. Entscheidet man sich für eine Schallmessung werden diese von professionellen Anbietern mit dem entsprechenden Equipment gemacht.

Für das Messen des Luftschalls erfolgt ein elaborierter Aufbau mehrerer Messstationen sowie Mikrophone im Gebäude. Dann werden bestimmte akustische Signale durch das System gesendet und der entsprechende Schalldruck an den Messstationen aufgezeichnet. Eines der wichtigsten Messgeräte von Bauakustikern ist das sogenannte Normhammerwerk zur Messung und Bewertung von Trittschall (entsprechend der Normen EN 16205, ISO 140-6 und DIN 52210). Dadurch lässt sich punktgenau der Trittschall in gewünschter Lautstärke simulieren und die Übertragung messen.

TIPP: Möchten Sie nur mal einen Richtwert messen? Es gibt Apps, die den Schall in dB messen. Diese sind natürlich nicht sehr genau. Trotzdem erhält man eine Vorstellung davon, wie laut es wirklich ist.

Mängel im Schallschutz feststellen

Schallbrücken sind häufig die Folge mangelhafter Bauleistung – also Bauschäden. Oftmals wird z. B. bei der Konstruktion der sog. Trennfuge zwischen Reihen- oder Doppelhäusern zu ungenau gearbeitet. Die Folge, wenn Mörtel in die Trennfuge fällt oder eine durchbetonierte Betondecke als gemeinsame Bodenplatte eingesetzt wurde, sind unerwünschte Schallübertragungen zwischen den Häusern. Die Wahrnehmung übermäßig lauter Tritt- oder Umgebungsgeräusche ist jedoch das eine – der Nachweis eines Baumangels im Schallschutz etwas ganz anderes. Hierzu bedarf es nämlich einer Schallmessung durch einen Profi. Erst auf dieser Basis können Hausbesitzer Schadensansprüche gegen die verantwortlichen Bauunternehmen geltend machen.

Lärm von der Straße? – Fenster, Türen und Leitungen prüfen

Ein Schallpegelmessung an der Straße
Bei einem Neubau gilt: Je höher der Außenlärmpegel, desto umfangreicher müssen die Maßnahmen zur Schalldämmung sein. © stock.adobe.com / #211824241 / mpix-foto

Wenn das Problem nicht die Trittschallübertragung innerhalb des Gebäudes ist, sondern der Luftschall von draußen, dann liegen die Probleme meist in fehlerhafter Schalldämmung. Besonders Bauteile wie Fenster, Türen oder auch Leitungen, die durch die Außenwand ins Innere verlaufen, dienen oft als Schallbrücken. Zudem sorgen solche Elemente im Baukörper auch selbst für Geräuschentwicklung – man denke nur an Dächer oder Fassaden, die bei Wind oder Regen diverse laute Geräusche verursachen. Fehlt beispielsweise bei einer Fensterbank das Antidröhnband unterhalb, dröhnt es laut, wenn es regnet. Durch bestimmte Oberflächengestaltung und Materialwahl lässt sich also dieser Art der Lärmbelästigung entgegenwirken.

An den Übergängen von Fenstern, Türen und Co. zum Mauerwerk sowie an Anschlüssen und Verbindungselementen entstehen oft Schallbrücken. Generell gilt: Jede Öffnung, durch die Luft gelangt, kann auch Schallwellen durchlassen.

Schallwahrnehmung – wann ist es zu laut?

Wann ein Geräusch als Hintergrundschall ausgeblendet wird oder als Lärmbelästigung wahrgenommen wird, liegt zwar im individuellen Empfinden jedes einzelnen. Dennoch gibt es bestimmte Richtwerte für den Schallschutz, an denen man sich bei Schallmessungen und Maßnahmen zur Schalldämmung orientieren kann. Generell gelten Werte bis zu 30 db als problemlos tolerierbar. Über dieser Grenze kann die dauerhafte Beschallung negative Folgen haben. Schlaflosigkeit, Unkonzentriertheit und psychische Probleme können die Konsequenz einer zu lauten Geräuschkulisse sein. Alles über 85 db gilt übrigens als besonders schädlich, denn ab diesem Wert können Hörschäden auftreten.

Übrigens: Bei einem Neubau ist der Schalldämmwert abhängig von der Beurteilung des Außenlärmpegels. Das ist auch nur logisch: An einer stark befahrenen Straße müssen die Maßnahmen umfangreicher ausfallen als bei einem Einfamilienhaus am Waldrand ohne relevanten Außenlärm.

Die Beseitigung von Schallschutzmängeln

Weil zu laute Umgebungsgeräusche also auf Dauer krank machen und einem definitiv jede Entspannung vergällen können, sollte man gegen Bauschäden im Schallschutz wirksam vorgehen. Das bedeutet zum einen, die Schalldämmung zu verbessern, um Luftschall besser abzuwehren. Zum anderen geht es vor allem um das Beseitigen von Schallbrücken, über die sich der Lärm den Weg in die Wohnung bahnt.

Schallbrücken finden und beseitigen

Ein Modellhaus mit Arbeitsschutz-Kopfhörer
Viele Schallbrücken lassen sich mit den richtigen Maßnahmen beheben. © stock.adobe.com / #268423331 / Andrey Popov

Schallbrücken zwischen nebeneinander liegenden Häusern – beispielsweise Reihen- oder Doppelhäuser – lassen sich professionell beheben. Das wird mit Hilfe der sog. Diamantseiltechnik gemacht, bei der mit einem Diamantseil die physische Verbindung zwischen den Baukörpern durchtrennt wird. Das Seil kann so konzipiert sein, dass es gleichzeitig das Material abtransportiert, das beim Trennen als Bauschutt entsteht.

Bei der Suche nach Schallbrücken sollte unbedingt auch die Decke bzw. die Bodenplatte kritisch überprüft werden. Besteht eine Decke aus Holz, kann darin schon das Hauptproblem liegen, da dieses Material Schallwellen sehr gut überträgt. Das Einbringen von Dämmstoffen in hohle Holzdecken kann solche Schallbrücken verbessern, aber nicht komplett trennen. Zudem empfiehlt es sich, Holz- oder Balkendecken besser gegen Trittschall zu dämmen und die Decken gegen Luftschall zu beschweren. Dafür kommen z. B. dünne Betonplatten oder Grobspanplatten zum Einsatz. Ebenfalls möglich ist es, die Decke von unten abzuhängen. Außerdem kann der Bodenbelag durch eine sog. Entkopplungsmatte getrennt werden, um den Trittschall zu dämpfen.

Liegt das Problem allerdings darin, dass der Estrich eine starre Verbindung zu den Wänden oder zur Decke hat, ist besonderer Aufwand nötig, um die Schallbrücken überhaupt zu finden. Ist das gelungen, lassen sich die Verbindungen zur Wand recht schnell beseitigen. Starre Verbindungen zu Decken sind jedoch aufwendiger zu beseitigen.

Schallbrücken durch Fugen an Fenstern oder Türen hingegen kann der versierte Heimwerker oft auch in Eigenregie beseitigen – mit reichlich Silikon oder Acryl. Und wenn man gerade am Fenster zu tun hat, sollte man auch den Rollladenkasten überprüfen: Hohle Kästen nämlich sind nicht nur Wärme- sondern auch Schallbrücken. Mit dem Dämmen des Rollladenkastens, beispielsweise durch das Einschieben einer passend zugeschnittenen Dämmplatte, lassen sich also gewissermaßen zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und sowohl der Wärme- als auch der Schallschutz verbessern.

Wenn Leitungen bzw. Rohre sich als Problem in Sachen Schallschutz herausstellen, gibt es auch dort schnelle Wege für wirksame Abhilfe: Oft hilft es nämlich schon, die freiliegenden Rohre mit Dämmmaterialien zu ummanteln. Richtig effektiv wird der Schallschutz in diesem Bereich jedoch erst durch die Installation komplett ummantelter Rohre – was in bestehenden Häusern enormen Aufwand bedeutet, bei der Planung eines Neubaus jedoch unbedingt berücksichtigt werden sollte. Zusätzlich müssen die Verbindungen, z. B. durch spezielle Rohrschellen, entkoppelt sein.

Schalldämmung verbessern

Um an Innenwänden die Schalldämmung zu optimieren, gibt es im modernen Trockenbau verschiedene Möglichkeiten. Relativ einfach und schnell ist z. B. der Einbau von Vorsatzschalen als Maßnahme zur Verbesserung des Schallschutzes in einer Wohnung. Dabei wird eine zweite Innenwand errichtet, die mit der eigentlichen Wand keine Berührung hat. Dies nennt man „schalltechnisch entkoppelt“. Für festen Halt kann die zweite Innenwand-Schicht an der Decke, den seitlich angrenzenden Wänden und dem Boden befestigt werden. Solche im Trockenbau üblichen Vorsatzschalen bestehen oft aus Gipskartonplatten oder Holzplatten und einer Trennwanddämmung. Metallprofile sorgen für die Stabilität der Konstruktion.

Auch auf andere Weise kann man den Schallschutz durch optimierte Schalldämmung verbessern – beispielsweise durch den Einsatz von „weichen“ Materialien mit guten Werten beim Trittschallschutz. Dazu zählen z. B. Boden- oder Wandbeläge aus Kork oder Teppich. Auch Vorhänge können als Schalldämmung genutzt werden. Und bei der Wahl der Möbelstücke empfiehlt es sich, zu gut gepolsterten und mit Textil bezogenen Einrichtungsgegenständen zu greifen.

Es gibt jedoch Maßnahmen für die Schalldämmung, da muss man Profis ans Werk lassen. Das gilt unter anderem für schallabsorbierende Aufsparrendämmung am Dach, wenn selbiges durch eine Holzkonstruktion für Lücken im Schallschutz verantwortlich ist. Auch der Einbau von speziellen Schallschutzfenstern ist möglich, doch natürlich mit entsprechenden Investitionen verbunden.

Schallschutz - Bauakustik

Schallschutz ist ein wichtiger Bestandteil der Bauphysik und der Gebäudeplanung. Überall dort, wo Lärm von außen in ein Gebäude eindringen kann oder Geräusche innerhalb eines Gebäudes weitergetragen werden, müssen entsprechende planerische und konstruktive Maßnahmen ergriffen werden, um das Eindringen oder die Übertragung von Schall möglichst gering zu halten. Mehr erfahren