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Die perfekte Fassade auswählen: Planungsschritte zum Erfolg

Bei der Planung der richtigen Fassade sollte auf Beständigkeit, Dämmung und Herstellungskosten geachtet werden. Doch welche Möglichkeiten gibt es, um die Fassade optimal zu dämmen? Wie wählt man die passende Oberfläche aus? Wir zeigen Ihnen Schritt für Schritt, welche Punkte Sie beachten müssen.

Ein Neubau bei dem EPS-Wärmedämmung auf Ziegelmauerwerk aufgeklebt wird

Was man bei der Planung der Fassade beachten muss

Eine Fassade ist die Visitenkarte eines Gebäudes und sollte entsprechend schön gestaltet werden. Neben diesen ästhetischen Ansprüchen muss sie aber auch weiteren Anforderungen genügen, schließlich schützt sie das Haus vor Wind und Wetter. Darüber hinaus sind Fassadensysteme unterschiedlich anfällig für Algen und Verschmutzungen. Auch unterscheiden sie sich in den Herstellungskosten. Deswegen ist die Auswahl der Fassade häufig ein Abwägen von Kosten, Instandhaltungsaufwand und Optik.

Es gibt zwar viele Möglichkeiten, Fassaden zu gestalten, aber im Normalfall stehen vier Systeme für die Fassade zur Auswahl:

  • Wärmedämmverbundsystem (WDVS)
  • Verblendmauerwerk mit Kerndämmung
  • hinterlüftete Vorhangfassade (z.B. aus TRESPA)
  • Außenputz auf wärmedämmendem Mauerwerk

Wenn das Mauerwerk bereits wärmedämmend ist, wird nicht in jedem Fall zusätzliche Dämmung benötig (Hinweise zur Auswahl des Mauerwerks sind im Artikel „Der Rohbau – das Grundgerüst Ihres Hauses richtig planen“ enthalten). Dann ist oft ein Außenputz ausreichend. Soll jedoch die Dämmung noch verbessert werden oder beinhalten die Wände nur unzureichende Dämmeigenschaften, ist zusätzliche Dämmung erforderlich. Die Unterschiede zwischen WDVS, Klinker und Vorhangfassade sieht man in folgender Tabelle:

Tabellenüberschrift: Vergleich unterschiedlicher Fassaden

ca. Kosten (brutto)InstandhaltungOptikBreite des Wandaufbaus
WDVS90-120 €/m²aufwendig: regelmäßiges Streichen alle 5-10 Jahre; Maßnahmen gegen Algenvariabel bei der Ausführung, im Nachhinein sind auch andere Farben möglichschmaler Wandaufbau
Klinker/
Verblendung
120-180 €/m²geringer Aufwandviele Steinvarianten mit farblich variablen Fugen; Ausführung nicht mehr veränderbarbreiter Wandaufbau
Vorhangfassade (viele Variationen)150-300 €/m²geringer Aufwandviele variable Ausführungsmöglich-keiten, die dann bleibend sindschmaler Wandaufbau möglich

Dämmung

Bei allen drei Varianten in der Tabelle ist Dämmung erforderlich. Wie stark muss gedämmt werden? Das steht im Wärmeschutznachweis. Er muss für Neubauten oder auch komplexere Umbauten erstellt werden. Die Berechnung erfolgt gemäß EnEV (Energieeinsparverordnung) und DIN 4108. Dabei sind gute Dämmwerte bereits erreicht, wenn die Standards der EnEV eingehalten werden. Bessere Dämmwerte lohnen sich z. B., um an KfW-Förderprogrammen teilzunehmen. Außerdem kann in Verbindung mit umfangreicher Haustechnik wie Lüftungs-, Photovoltaikanlagen und Solarthermie sogar ein Passivhaus oder ein Plusenergiehaus gebaut werden.

Das WDVS (Wärmedämmverbundsystem)

Das Schema einer Wand mit Dämmung, Armierungsputz, Gewebe und Oberputz
Ein Wärmedämmverbundsystem besteht aus Mauerwerk, Dämmplatten, Armierungsputz, Armierungsgewebe, Oberputz und evtl. Anstrich. © stock.adobe.com / #231658927 / kiono

Das WDVS ist im Allgemeinen die günstigste Art zu dämmen. Auf das Mauerwerk werden Dämmplatten geklebt und ggf. gedübelt. Auf die Dämmung wird ein Armierungsputz aufgetragen und Armierungsgewebe eingebettet. Darüber kommt der Oberputz, der je nach Ausführung gestrichen wird. Als Dämmung stehen verschiedene Produkte zur Auswahl wie Polystyrol, Mineralwolle, Polyurethan-Hartschaum oder ökologische Dämmstoffe wie Holzfaser.

Die Vorteile liegen im günstigen Preis und in den Gestaltungsmöglichkeiten. Die Nachteile liegen im immer wiederkehrenden Streichen und in der Empfindlichkeit für mikrobiellen Befall der Fassade. Je nach Lage kann eine WDVS-Fassade alle 5-10 Jahre einen neuen Anstrich benötigen.

Fassaden, die durch Algen grün oder schwarz werden, sind ein sehr unästhetischer Anblick. Eine gute Planung des Putzsystems kann sowohl die Wahrscheinlichkeit eines mikrobiellen Befalles verringern als auch die Dauer bis zum Befall verlängern. Es empfehlen sich Systeme wie mineralischer Edelkratzputz mit Selbstreinigungseffekt, der dann biozidfrei ist. Als Alternative kommt ein mineralischer Dünnputz in Frage, der einen zweimaligen biozidhaltigen Anstrich bekommt.[1]

Verblendmauerwerk mit Kerndämmung

An einer Hauswand wird eine Klinkerfassade mit Kerndämmung hochgezogen
Eine Klinkerfassade ist beständig und wartungsarm, hat aber einen höheren Preis. © stock.adobe.com / #82765796 / sonnee101

Eine klassische, aber teurere Alternative zum WDVS ist die Klinkerfassade, auch als Verblendmauerwerk bezeichnet. Dabei wird Dämmung an der Fassade befestigt und eine Vormauerschale, beispielsweise aus Klinkern, vor den Hauswänden hochgezogen. Der Wandaufbau ist breiter als bei WDVS, weil noch der Vormauerstein (Klinker) hinzukommt.

Der Nachteil liegt im höheren Preis und im breiteren Wandquerschnitt. In engen Lagen oder bei knappen Baugrenzen muss das berücksichtigt werden. Ein Beispiel: Bei Außenmaßen eines Einzelhauses von 10 m x 8 m Grundfläche gehen 3,75 m² pro Geschoss verloren.[2] Bei einem zweigeschossigen Wohnhaus sind das 7,5 m² Wohnfläche. Auf dem Land mag das keine Rolle spielen, aber in engen Stadtlagen sollte das unbedingt beachtet werden.

Die Vorteile überwiegen jedoch. Der Eigentümer hat eine beständige, dauerhafte Fassade, die nahezu keinen Aufwand benötigt. Es sind viele gestalterische Möglichkeiten vorhanden. Die Auswahl bei Klinkern ist sehr hoch. Zusätzlich können mit dem passenden Fugenmörtel und dem gemauerten Verband sehr unterschiedliche Fassaden erstellt werden, die einen einzigartigen Charme besitzen.

Die hinterlüftete Vorhangfassade

Eine geöffnete Vorhangfassade mit Mineralwolldämmung
Bei der Vorhangfassade kann die Luft zwischen der Fassadenverkleidung und der Dämmung am Mauerwerk zirkulieren. © stock.adobe.com / #132638304 / schulzfoto

Bei dieser Fassade kann die Luft zwischen der Fassadenverkleidung und der Dämmung am Mauerwerk zirkulieren. So kann die Luft Feuchtigkeit, die von innen wie außen kommt, abtransportieren. Da die Unterkonstruktion eine tragende Funktion erfüllt, muss sie fachgerecht ausgeführt werden. Häufig werden Unterkonstruktionen aus Metall wie Aluminium, aber auch Holzunterkonstruktionen eingesetzt. Bei der Befestigung der einzelnen Elemente muss darauf geachtet werden, dass diese beispielsweise Bewegungen aus Winddruck oder Temperaturdifferenzen ausgleichen.

Bei der Materialwahl der Dämmung und der Verkleidung stehen Ihnen nahezu alle Baustoffe zur Verfügung. Besonders beliebt bei der Gestaltung der äußeren Verkleidung sind

  • Holzschalungen oder Holzschindeln,
  • Kunststoffplatten (Witterungsbeständig)keramische Platten,
  • Naturstein,
  • Faserzementplatten und
  • Aluminiumplatten.

Die Unterschiede in der Verkleidung erklären auch die große Preisspanne bei den Vorhangfassaden. Es ist nur logisch, dass eine Holzfassade auf Holzunterkonstruktion deutlich günstiger ist als eine Natursteinfassade mit Aluminium-Unterkonstruktion.

Klinker vs. WDVS – wo liegen die Vor- und Nachteile?

Wie bereits erwähnt ist das eine Frage der Gestaltung und des Preises. Wer Klinkerfassaden liebt und das nötige Geld investieren kann, der ist gut beraten diese auch zu bauen. Jedoch lassen sich mit einer WDVS-Fassade die gleichen Werte bei der Wärmedämmung erreichen und sie ist deutlich günstiger, aber dafür wartungsintensiver. Und einigen sind Putzfassaden optisch viel lieber. Wenn man die Gefahr des mikrobiellen Befalls reduzieren möchte, kann man das durch die richtige Ausführung und eine monolithische Bauweise nur mit Außenputz erreichen.

Manchmal mag auch der vorhandene Platz den Ausschlag geben, da Klinker mehr Platz als eine WDVS-Fassade benötigt.

Dämmung mit Klinkerriemchen
Die Kombination von Klinkerriemchen und WDVS ist in einigen Fällen die perfekte Lösung. © stock.adobe.com / #41449351 / Alterfalter

Wer die Vorteile einer WDVS-Fassade mit der einer Klinkerfassade kombinieren möchte, kann ein WDVS mit harter Bekleidung, sprich Riemchen wählen. Dabei entsteht auf dem WDVS eine Klinkeroptik. Es werden dünne Klinkerscheiben, Riemchen genannt, auf das WDVS aufgeklebt und verfugt. Die Gesamtkosten steigen dadurch, weil das Riemchen geklebt und die Dämmung gedübelt werden muss. Jedoch ist die Oberfläche nicht so aufwendig zu warten. Es muss nicht neu gestrichen und viel seltener gegen mikrobiellen Befall gekämpft werden. Auch können dünnere Wandquerschnitte erzielt werden als bei einer Klinkerfassade.

Ist eine Holzfassade noch zeitgemäß?

Ein modernes Haus mit einer Holzfassade
Holzfassaden bieten eine gute Wärmedämmung und eine variantenreiche Gestaltung. © stock.adobe.com / #194606609 / Fotoschlick

Immer wieder sieht man Wohnhäuser mit einer modernen oder klassischen Holzfassade. Das fällt besonders häufig bei Anbauten an einem Bestandsgebäude auf, bei denen durch die Erweiterung mit einem Holzkubus eine interessante Architektur entsteht. Die Wahl der Holzart sowie der Oberflächenbehandlung sind für das Erscheinungsbild der Fassade ausschlaggebend und ermöglichen eine variantenreiche Gestaltung, die gleichzeitig eine gute Wärmedämmung erlaubt.

Die Holzfassade hat allerdings auch einige Nachteile. So ist sie relativ aufwendig in der “Wartung”, denn alle paar Jahre ist ein neuer Anstrich fällig, insofern das Holz keine graue Patina zeigen soll. Sollten jedoch witterungsbeständige Holzarten wie Lärche verwendet werden, kann das Streichen entfallen und die Fassade bekommt ihren eigenen Charme. Holzfassaden sind daher eher speziell und können gezielt Akzente setzen. Dennoch wird das nachwachsende Material gern für nachhaltige Eigenheime mit modernem oder klassischem Stil genutzt. Die regelmäßig notwendige Überprüfung der Fassade wird durch deren einfache Durchführbarkeit wieder wettgemacht. Wer sich für eine Holzfassade entscheidet, tut dies meist aus Liebe zu dem Baustoff und ist gut über die Vor- und Nachteile informiert.

Bei der Ausführung auf Details achten

Besondere Aufmerksamkeit bei der Gestaltung und Dämmung einer Fassade verlangt der Sockel, aber auch die Fenster- und Dachanschlüsse sowie mögliche vorhandene Rollläden. Diese Details spielen bei der Erhaltung der Fassade und der Vermeidung von Wärmebrücken eine wichtige Rolle.

Die Sockeldämmung

Der Sockel ist der erdberührende Teil eines Gebäudes. Damit hier die notwendige Wärmedämmung erreicht und andererseits das Bauwerk vor Feuchtigkeitsschäden geschützt wird, muss der Fassadensockel sehr sorgfältig ausgeführt werden.

Die Abdichtung des Gebäudes, die sich im Allgemeinen hinter der Dämmung befindet, wird nach der DIN 18533 „Abdichtung von erdberührten Bauteilen“ bemessen. Der Schutz der Fassade hängt vom jeweiligen System ab. Hilfreiche Ausführungsdetails liefern die jeweiligen Hersteller.

Fensteranschlüsse

Ein besonderes Augenmerk bei der Fassade verlangen die Fensteranschlüsse. Es müssen Wärmebrücken und Undichtigkeiten vermieden werden. Damit schützt man das Haus vor Schimmelbildung. Die Anschlüsse an Fenster sind relativ komplex und müssen unter der Berücksichtigung des Fassaden- und des Fenstersystems geplant und eingebaut werden. Die besten Hinweise zur Fensterplanung und -montage findet man beim IFT Rosenheim (Institut für Fenstertechnik).[3] Hier erhält man auch den „Leitfaden zur Planung und Ausführung der Montage von Fenstern und Haustüren für Neubau und Renovierung“, das Standardwerk bei der Fenstermontage.

[1] Für weiterführende Informationen empfehlen wir Ihnen die PDF der Sievert Baustoffe GmbH & Co. KG zum Thema Algen und Pilze. http://download.sks-infoservice.de/assets/downloads/Prospekt-Algen-u-Pilze-Fassade.pdf

[2] Innenmaße WDVS, 2 cm Putz, 16 cm Dämmung, 17,5 cm KS, 1 cm Putz: 9,27 x 7,27 = 67,39 m²
Innenmaße Klinker, 11,5 cm Klinker, 2 cm Luftspalt, 16 cm Dämmung, 17,5 cm KS, 1 cm Putz: 9,04 x 7,04 = 63,64 m²

[3] IFT Rosenheim https://www.ift-rosenheim.de/startseite