Überzähne bei Fliesen – uneben oder noch im Toleranzbereich?

Wer neue Fliesen verlegt hat und nun große Überzähne feststellt, fragt sich oft, wie die erlaubte Toleranz aussieht und wo der Fliesenleger nachzubessern hat. Aber auch wenn Sie noch planen, Fliesen zu verlegen oder verlegen zu lassen, sollten Sie sich über ein paar Dinge im Voraus Gedanken machen: Welche Auswirkungen beispielsweise hat die Art der Fliese und die Art der Verlegung auf mögliche Überzähne? Wie wird die Höhendifferenz zwischen zwei Fliesen gemessen?

Ein Fliesenüberzahn wird mit einem Winkel und einer 1-Cent-Münze überprüft.-min
Thomas Möller

Ein Artikel von

Thomas Möller, Dipl.-Ing. (FH)

zertifizierter Bausachverständiger

www.sv-tm.de

Was sind Überzähne bei Fliesen?

Ein Fliesen-Überzahn ist der Höhenunterschied zwischen zwei Fliesen.-min
Der Höhenunterschied zwischen zwei Fliesen nennt sich Überzahn. Dabei müssen bestimmte Toleranzen eingehalten werden. Darstellung: T. Möller

Bei Fliesenüberzähnen handelt es sich um die Höhenunterschiede zwischen nebeneinander verlegten Fliesen. An einer Fuge trifft eine Platte auf die andere. Wenn dort ein Höhenunterschied vorhanden ist, nennt man diesen „Überzahn“. Diese Bezeichnung gilt nicht nur für Fliesen, sondern auch für Platten wie Betonwerkstein oder Naturstein. Der Höhenunterschied ist im nachfolgenden Bild dargestellt.

Wie uneben dürfen Fliesen sein?

So wie Fliesen an sich nicht ganz eben sind, erfolgt auch deren Verlegung nicht völlig eben. So wie es bei der Produktion von Fliesen Toleranzen gibt, liegen diese auch bei der Verlegung vor. Eine größere Fliese darf zum Beispiel am Mittelpunkt eine Wölbung von bis zu 2 mm aufweisen. Auch die Dicke einer Fliese kann im Herstellungsprozess variieren. Wenn nun eine Verlegung im Halbverband erfolgt, dann stoßen jeweils der Hochpunkt und der Tiefpunkt zusammen. Die Differenz von 1-2 mm lässt sich auch mit größtem handwerklichem Geschick nicht völlig ausgleichen.

Eine zeichnerische Darstellung eines Überzahns, der sich allein aus der Art der Fliesenverlegung ergibt.-min
Überzähne können verstärkt durch eine für die Fliesen ungünstige Verlegeart entstehen. Der hier verwendete Halbverband begünstigt Überzähne. Darstellung: T. Möller

Anhand von Richtlinien können Sie prüfen, ob eine Fliese uneben verlegt ist oder nicht. Das ZDB Merkblatt „Höhendifferenzen in Keramischen-, Betonwerkstein- und Naturwerksteinbekleidungen und Belägen“ definiert die erlaubten Überzähne. Zum einen gibt es eine Toleranz bei der Verlegung von Fliesen. Diese Toleranz beläuft sich auf 1 mm. Das ist auch logisch, da auch ein Fliesenleger mit handwerklichem Geschick nicht immer jede Fliese völlig eben zur nächsten verlegen kann. Dazu kommt die Toleranz, die sich aus der Fliese ergibt. Hierfür enthält das Merkblatt eine Berechnungsformel. Außerdem wird zwischen Fliesen mit rektifizierter Kante und stranggepressten Fliesen unterschieden. Rektifizierte Fliesen weisen eine höhere Genauigkeit auf. Dadurch kann auch die Verlegung präziser erfolgen.

Mit dem ZDB Merkblatt lässt sich also exakt ermitteln, wie uneben die Fliesen verlegt sein dürfen. Nehmen wir als Beispiel eine 30×60 Fliese mit Presskante. Diese hat eine zulässige Höhendifferenz von 1,9 mm. Grundsätzlich liegt die maximale Toleranz der Überzähne bei stranggepressten Fliesen bei 2 mm. Das trifft zum Beispiel auf eine 60×60 Fliese zu. Bei kleineren Formaten ist dieser Wert etwas geringer.

Eine 30×60 Fliese mit rektifizierter Kante hat eine zulässige Höhendifferenz von 1,45 mm. Die maximale Toleranz für Überzähne bei rektifizierten Fliesen liegt bei 1,5 mm. Das würde wiederum auf eine 60×60 Fliese zutreffen. Auch hier ist der Wert bei kleineren Formaten etwas geringer.

Selbst wenn nun zulässige Überzähne definiert sind, dürfen diese nicht beliebig häufig vorkommen. So sollte nur ein Bruchteil der Fliesenfläche von Überzähnen betroffen sein.

Wie messen Sie Überzähne bei Fliesen?

Wer selbst einen Fliesenleger beauftrag hat und nun die Leistung abnehmen muss, stellt sich die Frage: Wie messe ich die Höhendifferenzen und wie kann ich feststellen, wie hoch ein Überzahn exakt ist? Die genaue Höhe eines Überzahns lässt sich relativ simpel mit einer kurzen Wasserwaage (*) oder einem Metallwinkel (*) und einem Messkeil (*) mit 0,1 mm Einteilung messen. Nehmen Sie dafür die Wasserwaage, legen Sie diese über die höhere Fliese und prüfen Sie mit dem Messkeil, wie groß der Abstand darunter ist. Dann haben Sie die genaue Höhe des Überzahns ermittelt.

Wer nur ungefähr den Höhenunterschied ermitteln möchte, der kann zur Wasserwaage einfach eine Münze dazunehmen. Euromünzen haben eine definierte Höhe und damit lässt sich ganz gut einschätzen, wie hoch ein Überzahn ist. Dafür müssen Sie nur die Höhe der jeweiligen Münze kennen. Dabei haben 1, 2, und 5-Cent-Münzen die gleiche Höhe von 1,67 mm. Für viele Überzähne ist dies schon zu viel. Deswegen werden nach wie vor in der Baupraxis zur schnellen Überprüfung 1, 2 oder 5-Cent Münzen verwendet. Nachfolgend sind die Dicken der Euromünzen aufgeführt:

Dicken je Euro-Münze (1):

  • 1-, 2- und 5-Cent-Münze: 1,67 mm
  • 10-Cent-Münze: 1,93 mm
  • 20-Cent-Münze: 2,14 mm
  • 50-Cent-Münze: 2,38 mm
  • 1-Euro-Münze: 2,33 mm
  • 2-Euro-Münze: 2,20 mm

Um zu überprüfen, ob der Überzahn größer als die Dicke der Münze ist, legen Sie die Münze auf die tiefere Fliese und die Wasserwaage auf die höhere Fliese. Dann drehen Sie die Wasserwaage (siehe Titelbild). Bleibt die Münze liegen, ist der Überzahn größer als die Dicke der Münze. Verschiebt sie sich stattdessen, ist die Höhendifferenz geringer.

Höhendifferenzen (Überzähne) bei Betonwerkstein

Häufig werden Treppenhäuser mit Betonwerkstein belegt. Das robuste und gut zu überarbeitende Material eignet sich dafür hervorragend. Bei Betonwerkstein regelt die DIN ATV 18333, die in der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen, Teil C (VOB-C) (*) zu finden ist, die Toleranz der Höhendifferenz. Bei Platten bis 0,25 m² (zum Beispiel eine 30×60 Platte: 0,3 m * 0,6 m = 0,18 m²) sind Überzähne von 1,5 mm zulässig. Bei Platten zwischen 0,25 m² und 0,5 m² sind Höhendifferenzen von 2 mm zulässig.

Toleranzen bei der Verfugung von Fliesen und Plattenarbeiten

In der DIN ATV 18532 „Fliesen und Plattenarbeiten“, die auch in der VOB-C zu finden ist, wird die Breite der notwendigen technischen Fuge von 2 mm bis 8 mm angegeben. In der Fachinformation „Zementäre Fugen in Bekleidungen und Belägen aus Fliesen und Platten“ wird die handwerkliche Toleranz von ±1 mm bei der Verfugung erläutert. Das bedeutet: Wenn 3 mm Fugen vereinbart wurden, dürfen die Fugen zwischen 2 mm und 4 mm variieren.

Das Fazit zu Überzähnen und uneben verlegten Fliesen

Es gibt somit fest definierte Toleranzen, die eingehalten werden müssen. Jedoch trägt auch die Verlegung zur Vermeidung oder Erhöhung der Höhenunterschiede bei. Wenn zum Beispiel im Halbverband verlegt werden soll, wäre es für den Fliesenleger ratsam, seine Kunden auf die möglichen Auswirkungen hinzuweisen. Als Bauherr oder Auftraggeber wissen Sie nun aber auch, dass die Wahl der Fliese und der Verlegeart ebenfalls Auswirkungen auf die Höhendifferenzen hat. Besonders rustikale Fliesen werden ebenfalls größere Höhendifferenzen aufweisen als besonders ebene. Mit einer guten Planung und einer ausführlichen Absprache wissen alle Beteiligten, was Sie bei dem geplanten Fliesenboden erwarten dürfen und was nicht. Ob die Fliese uneben verlegt ist oder nicht, hängt letztendlich von vielen Parametern ab.

Thomas Möller

(1) Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Euromünzen

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