Fachartikel

Risse im Außenputz: Ursachen und Sanierung

Ein Riss im Außenputz springt nicht nur gleich ins Auge, möglicherweise steckt auch ein Mangel dahinter. Können Sie den Riss selbst ausbessern oder ist es vernünftig, einen Experten zu Rate zu ziehen?

Ein 0,2mm starker Riss im Außenputz mit einer Risskarte als Vergleichsmaßstab gemessen.
Thomas Möller

Ein Artikel von

Thomas Möller, Dipl.-Ing. (FH)

zertifizierter Bausachverständiger

www.sv-tm.de

Wie bei vielen anderen Rissen, sind die meisten Risse im Außenputz eher hässlich als gefährlich. Dennoch ist es sinnvoll, der Ursache auf den Grund zu gehen. Und die sind bei Rissen im Außenputz vielfältig. Liegen zum Beispiel Risse im Mauerwerk vor, ist häufig der gesamte Wandquerschnitt gerissen. Die Risse sind dann innen und außen sichtbar (lesen Sie auch unseren Artikel zu Rissen im Innenputz). Auch die Verarbeitung beim Außenputz kann ausschlaggebend sein. Ein weiterer Faktor ist, ob das Haus gedämmt ist, also ein Wärmedämmverbundsystem (WDVS) auf den Außenwänden ist, oder ob monolithisch gebaut wurde, also der Mauerstein der Außenwand direkt verputzt wurde.
Es gibt zwei hauptsächliche Ursachen für Risse im Außenputz:

Eine exakte Beschreibung ist im WTA Merkblatt 2-4 Beurteilung und Instandsetzung gerissener Putze und Fassaden vorhanden. Auch die DIN EN 13914-1:2016-09 beschreibt mögliche Rissbilder sehr genau.

Egal, welche Ursache Ihr Riss hat: Gerade im Neubau sind Risse im Außenputz sehr ärgerlich. Daher klären wir zunächst die Frage: Welche Risse im Außenputz stellen einen Mangel dar und welche bewegen sich innerhalb der Toleranz?

Welche Toleranzen gelten für Risse im Außenputz?

Ein 0,2mm starker Riss im Außenputz mit einer Risskarte als Vergleichsmaßstab gemessen.
Haarrisse in der Putzoberfläche des Außenputzes beinträchtigen nicht die Gebrauchstauglichkeit und sind besonders bei strukturierten Flächen nur in der Nahaufnahme zu erkennen. Diese Risse stellen keinen Mangel dar. Foto: T. Möller

Risse im Außenputz sind bis zu einer Rissbreite von 0,2 mm innerhalb der Toleranz, solange dadurch nicht die Funktion des Putzes beeinträchtigt ist. Ein Putz soll das Mauerwerk oder die Wärmedämmung vor Wettereinflüssen, insbesondere vor Regen, schützen. Dringt Wasser durch den Putz ein, ist die Funktion jedoch beeinträchtigt.

Die Toleranz von 0,2 mm wird sowohl in der bereits erwähnten DIN EN 13914-1:2016-09 als auch in der DIN 18550-1:2018-01 Planung, Zubereitung und Ausführung von Außen- und Innenputzen – Teil 1: Ergänzende Festlegungen zu DIN EN 13914-1:201609 für Außenputze erwähnt. Diese Toleranzen sind allgemein anerkannt. Bei breiteren Rissen, die die Funktion nicht beeinträchtigen, ist die optische Beurteilung vom üblichen Betrachtungsabstand maßgebend. Die Normen und Richtlinien weisen jedoch darauf hin, dass die Risse in Verbindung mit der Rissbreite separat zu beurteilen sind und die 0,2 mm nicht immer Anwendung finden.

Risse im Außenputz: Putzgrund und Ausführungsfehler als Ursache

Einige Risse im Außenputz haben ihre Ursache im Putzgrund. Dazu zählen Verformungen wegen Temperaturveränderungen sowie Kriechen, Quellen und Schwinden. Auch alle anderen großen Verformungen des Bauwerks kann kein Außenputz und auch kein WDVS aufnehmen.

Fehlerhafter Anschluss eines WDVS an eine Fensterbank mit Riss.
Besonders die Anschlüsse des Außenputzes oder des WDVS sind wichtig, damit kein Wasser eindringen kann. Der hier dargestellte Anschluss ist gerissen und wurde mit dem falschen Fensterbankanschluss ausgeführt. Foto: T. Möller

Hinzu kommen Rissbildungen an Anschlussstellen. Sind Übergänge an Fenstern oder zur Holzkonstruktion des Daches nicht richtig ausgeführt, entstehen Spannungen. Als Folge treten Risse in den Anschlussbereichen auf. Die Anschlüsse müssen richtig geplant und so ausgeführt werden, dass die unterschiedlichen Bewegungen schadensfrei stattfinden können. Übertragen sich die Bewegungen nicht auf die Putzfläche, sind auch keine Risse im Außenputz zu erwarten.

Risse in der gesamten Fläche des Außenputzes sprechen für einen Ausführungsfehler. Dazu gehören Risse in Y-Form, netzförmige Risse und Risse durch Absacken, die sich in 15 cm (+/-5cm) langen, horizontalen, nach unten durchhängenden Rissen zeigen.

Die Übernahme von Bauteilfugen in den Außenputz ist ebenfalls notwendig. Werden Fugen nicht übernommen, sind Risse im Außenputz zu erwarten. Eine Bauteilfuge hat die Aufgabe Bewegung zuzulassen. Wird diese überputzt, kann der Außenputz die Bewegung nicht aufnehmen und reißt.

So sanieren Sie Risse im Außenputz

Ob und wie ein Außenputz saniert werden kann, hängt letztlich von der Art der Risse ab. Sind Risse im Mauerwerk die Ursache, muss die Bewegung erst abgeschlossen und ggf. der Riss zuvor saniert werden, bevor der Außenputz instandgesetzt werden kann.

Eine gute Möglichkeit Risse zu überdecken, ist das Aufbringen eines Wärmedämmverbundsystems. Das lohnt sich nicht bei kleinen Rissbildungen. Aber denken Sie sowieso gerade über eine energetische Modernisierung der Fassade nach, ist das eine hervorragende Lösung. Der Nachteil liegt in den verhältnismäßig hohen Kosten. Es ist selbstverständlich erheblich günstiger, eine Fassade nur zu streichen.

In nachfolgender Tabelle stellen wir Ihnen verschiedene Möglichkeiten zur Rissüberbrückung vor. Die Tabelle orientiert sich an den Rissbreiten. Zusätzliche Arbeiten wie Reinigen, Grundieren etc. sind unserem Artikel „In 9 Schritten die Fassade streichen“ zu entnehmen.

Rissüberbrückung nach Rissbreiten bei Rissen im Außenputz
Risse in AnschlussbereichenÜberarbeitung mit, für das Fassadensystem zugelassenen, elastischen Dichtstoffen inkl. rissüberbrückender Fassadenfarbe
Risse bis 0,2 mmRissüberbrückende und verfüllende Fassadenfarbe
Risse bis 0,5 mmRisse mit elastischen Dichtstoffen (für Fassadensystem und Putz geeignet) verfüllen und ein Rissüberbrückender Anstrich
Risse > 0,5 mmSanierungskonzept erstellen

Thomas Möller

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