Risse im Mauerwerk: Diese 13 Ursachen stecken dahinter

Haben Sie Risse in der Wand entdeckt? Wie gefährlich sind die Risse und wie lässt sich der Schaden beheben? Wir zeigen Ihnen die richtige Vorgehensweise zur Beurteilung der Risse und sagen Ihnen, wann Sie besser einen Experten zu Rate ziehen.

Ein Riss im Mauerwerk, 7 mm breit, mit Rissbreitenkarte gemessen
Thomas Möller

Ein Artikel von

Thomas Möller, Dipl.-Ing. (FH)

zertifizierter Bausachverständiger

www.sv-tm.de

Wann Sie einen Riss im Mauerwerk überprüfen sollten

Als erstes eine gute Nachricht: Die meisten Risse im Mauerwerk sind nicht gefährlich. Viele Risse, die wir an der Oberfläche sehen, sind auch nur oberflächlich. Die Risse können zwar aus dem Mauerwerk stammen, aber auch das ist normal: Ein Mauerwerk ist nie völlig rissfrei. Nach dem Bau kann es zu leichten Rissbildungen kommen. Es kann immer wieder feine Haarrisse geben, die sich relativ einfach beseitigen lassen. Zu Rissen im Innenputz haben wir einen separaten Beitrag . In diesem Artikel geht es um Risse im Mauerwerk als solches. Damit sind keine feinen Haarrisse gemeint, sondern Risse, die im Mauerwerk vorliegen und die meistens den gesamten Mauerquerschnitt betreffen. Diese Risse treten häufig gleichzeitig innen und außen auf.

Sie haben einen Riss in der Wand entdeckt – was jetzt?

Wer einen Riss feststellt, hat oft die Sorge, ob das Gebäude „noch hält“, also um die Tragfähigkeit des Gebäudes. Dabei sei gesagt, dass sogar Risse im Beton bis 0,4 mm, je nach Betonbauteil, normal und zulässig sind. Ein Riss ist also nicht immer ein Grund zur Sorge.

Außerdem werden viele Risse erst nach einiger Zeit sichtbar. Das liegt daran, dass ein neuer Riss noch saubere und scharfkantige Risskanten besitzt. Ist der Riss älter, wird er durch Verschmutzungen wie Staub und durch abgenutzte Risskanten von den Bewohnern viel eher wahrgenommen.

Nach diesen Kriterien können Sie einen Riss einordnen:

  1. die Rissbreite,
  2. die Risslänge,
  3. der Rissverlauf,
  4. die Frage, ob der Riss dynamisch oder ruhend ist.

Die Rissbreite können Sie mit einer Rissbreitenkarte(*) als Vergleichsmaßstab feststellen. Wie im Titelbild, können Sie die Rissbreite mit einer Nahaufnahme dokumentieren. Handelt es sich um einen Haarriss von 0,1 mm – 0,2 mm oder um einen Riss zwischen 0,2 mm – 0,4 mm? Beobachten Sie den Riss über einen längeren Zeitraum. Wird er nicht breiter, können Sie ihn bei der nächsten Renovierung oder beim nächsten Außenanstrich instandsetzen.
Die Risslänge und der Rissverlauf lassen sich relativ einfach darstellen. Mit kleinen Klebemarken(*) oder auch Post-its, die Sie an den Rissverlauf kleben. Wenn Sie dann aus einiger Entfernung ein Foto vom gesamten Bauteil machen, ist der Rissverlauf klar ersichtlich. Wenn Sie dann noch einen Zollstock als „Maßstab“ auf dem Bild haben, können Sie sowohl die Länge als auch den Verlauf gut ermitteln und darstellen.

Wie stellen Sie fest, ob ein Riss breiter wird?

Ein Riss im Kalksandstein, 2,5 mm breit mit Rissbreitenkarte gemessen.
Mit Hilfe einer Rissbreitenkarte können Sie überprüfen, ob ein Riss noch breiter wird oder ob die Rissbildung abgeschlossen ist. Foto: T. Möller

Bei breiteren Rissen über 0,5 mm sollten Sie genau prüfen, ob der Riss ruht oder die Rissbildung fortschreitet. Um die genaue Ursache für einen Riss herauszufinden, ist in der Regel ein Fachmann nötig. Wir empfehlen, einen Bausachverständigen zu Rate zu ziehen. Ein Mieter sollte dringen seinen Vermieter informieren, damit dieser entsprechende Sachverständige beauftragt. Wie ermitteln Sie, ob ein Riss ruht oder ob die Rissbildung noch fortschreitet? Es gibt drei Methoden:

1. Eine Stelle des Risses markieren und immer wieder an dieser Stelle messen. Hierzu können Sie einen Bleistiftstrich quer zum Riss ziehen und die Messergebnisse danebenschreiben. Diese Methode ist zwar die einfachste, aber kleine Veränderungen sind nicht so genau zu erkennen.

Eine Gipsmarke zur Rissüberwachung in Form einer 8 mit Datum, Kürzel und Kellenschnitt
Mit einer Gipsmarke lassen sich Risse einfach und kostengünstig überwachen. Foto: T. Möller

2. Eine Gipsmarke setzen. Mit Hilfe einer Gipsmarke können Sie prüfen, ob der Riss noch breiter wird, ob es sich also um einen dynamischen Riss handelt. Hierfür tragen Sie Gips, nicht dicker als ca. 1 cm, quer zum Riss auf. Dabei darf der Gips nicht in den Riss eindringen. Auch muss die Untergrundhaftung gewährleistet sein, also Anstiche dürfen keine Ablösung der Gipsmarke bewirken. Eine optimale Gipsmarke hat die Form einer 8. Der dünnere Steg geht dabei quer über den Riss. Wenn jetzt kleine Verbreiterungen im Riss auftreten, reißt die Gipsmarke. Hierbei wird jedoch nur gezeigt, ob der Riss sich verbreitert. Die Richtung der Veränderung ist hierdurch nicht exakt nachzuvollziehen. Mit einem mittleren Kellenschnitt in der Gipsmarke sind jedoch auch Verschiebungen einigermaßen abzuschätzen. Zusätzlich können Sie das Datum und Ihr Namenskürzel in den frischen Gips einritzen. (Siehe auch unser PDF-Anleitung zum Setzen einer Gipsmarke).

Eine Gipsmarke zur Rissüberwachung in Form einer 8 im Querschnitt
Bei einer Gipsmarke in Form einer 8 sollte der Steg über dem Riss liegen und dünner sein als der Rest der Gipsmarke. Foto: T. Möller

3. Um die Bewegung eines Risses in der Wand exakt nachzuvollziehen, eignet sich ein Rissmonitor(*) besonders gut. Durch die auf beiden Seiten des Risses fest montierten Teile, können Sie die Bewegung des Risses sehr genau nachvollziehen. Dadurch wird auch klar, in welcher Richtung sich die Bauteile bewegen. Sie können die Messergebnisse auch über einen längeren Zeitraum dokumentieren. Sie können wiederkehrende Bewegungen exakt dokumentieren, da die Ablesung dauerhaft funktioniert.

Wann sind Risse im Mauerwerk gefährlich?

Treten Risse plötzlich auf oder werden sie allmählich immer breiter, sollten Fachleute sie beurteilen. Denn Risse können Schwächen in der Tragfähigkeit von Bauteilen, Probleme mit der Gründung oder Mängel in der Bauausführung aufzeigen.

Plötzliche Rissbildungen haben meistens einen direkten Zusammenhang mit kürzlich eingetretenen Ereignissen. Das können unter anderem extreme Wetterereignisse wie Sturm, Starkregen und Überflutungen sein oder auch Wasserschäden im Haus. Aber auch Baumaßnahmen oder Schwerlastverkehr in der Nähe eines Gebäudes können die Rissbildung begünstigen.

Allmählich breiter werdende Risse sollten ebenfalls überprüft werden. Sie können auf Probleme der Gründung oder des Baugrundes hinweisen. Erfolgt zum Beispiel in der Nähe eine Grundwasserabsenkung, kann bei wasserempfindlichem Baugrund eine zusätzliche Setzung eintreten, die zu Rissen führt.

Tipp: Bei unklaren Rissen, die plötzlich auftreten oder sich immer weiter verbreitern, empfehlen wir unbedingt einen Experten zu Rate zu ziehen! Das wäre zum Beispiel ein Sachverständiger für Schäden an Gebäuden. Er kann letztlich beurteilen, ob ein Riss gefährlich ist und wie Sie ihn am besten beseitigen.

Wie entstehen Risse im Mauerwerk?

Risse entstehen aufgrund von Zugspannungen. Mauerwerk ist im Gegensatz zu Stahlbeton, bei dem der Stahl die Zugkräfte übernimmt, nur schlecht in der Lage, Zugkräfte aufzunehmen. Mauerwerk ist hingegen dafür ausgelegt, Druckkräfte aufzunehmen. Entstehen nun im Mauerwerk Zugkräfte, sind Risse die logische Folge.

Der Rissverlauf sagt bereits einiges über die Zugspannung aus. Im Allgemeinen tritt die Zugspannung quer zum Riss auf. Ein horizontaler Riss in der Wand entsteht häufig durch vertikale Zugspannung. Das trifft auf Risse innerhalb des Mauerwerks zu. Da es jedoch an Bauteilübergängen, wie zum Beispiel einer Decke, auch noch andere Gründe für Risse geben kann, sind nachfolgend verschiedene Ursachen aufgeführt.

Toleranzen bei Rissen im Mauerwerk

Generell gibt es keine Norm, die eindeutig definiert, welche Rissbreiten innerhalb und welche außerhalb der Toleranz liegen. Das liegt vor allem daran, dass rissfreies Mauerwerk nicht existiert. Eine eindeutige Festlegung gibt es also nicht. Als Richtwert aus der Literatur können wir aber folgendes annehmen: Feine Haarrisse von bis zu 0,2 mm sind sicherlich unvermeidlich. Auch Risse bis zu einer Breite von 0,4 mm gelten als akzeptabel. Risse, die deutlich breiter sind, liegen außerhalb der Toleranz.

Die Beurteilung von Rissen im Mauerwerk ist eine Sache. Anders sieht es bei Rissen in der Putzoberfläche aus. Hier finden Sie wichtige Hinweise zu Rissen im Außenputz, beim Innenputz hilft dieser Artikel.

13 Ursachen für Risse im Mauerwerk

Da es viele Ursachen gibt, folgen nun 13 exemplarische Ursachen für Risse im Mauerwerk. Mit diesen Ursachen, den dargestellten Rissbildern und den empfohlenen Instandsetzungsmaßnamen, können Sie einen Riss besser einschätzen .

Die 13 häufigsten Ursachen für Risse im Mauerwerk

Baugrundbedingte Risse im MauerwerkKonstruktionsbedingte Risse im Mauerwerk
1. Baugrund unzureichend verdichtet oder unzureichend tragfähig6. Obere Betondecke biegt sich durch
2. Bauarbeiten7. Temperaturabhängige Rissbildung
3. Erschütterungen8. Verdrehung am Deckenauflager
4. Entfeuchtung9. Quellen und Schwinden (Mischmauerwerk)
5. Grundwasserabsenkung10. Lasten aus dem Dachstuhl
11. Ungünstige Anordnung von Öffnungen
12. Schwindverhalten großformatiger Steine
13. Kriechen (Verformung unter Last)

Es gibt verschiedene Ursachen für Risse in der Wand. Es können jedoch zwei Hauptkategorien genannt werden:

  1. Störungen oder Veränderungen des Baugrunds
  2. Konstruktionsbedingte Ursachen inkl. Planungsfehler, ungünstige Materialeigenschaften und Ausführungsfehler.


Der Baugrund als Ursache für Risse im Mauerwerk

Der Boden unterhalb eines Gebäudes, der Baugrund, hat logischerweise eine Auswirkung auf das darauf errichtete Gebäude. Treten Veränderungen am Baugrund auf, können auch Veränderungen und Spannungen am Gebäude auftreten. Mauerwerk ist nicht dafür geeignet, große Zugspannungen aufzunehmen. Daher kann als Folge der Baugrundveränderung ein Riss in der Wand oder auch mehrere Risse in Wänden entstehen.

Tipp: Um Probleme bei der Gründung zu vermeiden, ist zwingend ein Bodengutachten erforderlich. Daraus lassen sich die vorhandenen Bodenschichten, die Tragfähigkeit und auch die Versickerungsfähigkeit entnehmen. Achten Sie darauf, dass Sie genau diese Leistungen beauftragen. Aufgrund dieser Daten kann der Tragwerksplaner die Gründungsart und -tiefe planen.

1. Baugrund unzureichend verdichtet oder unzureichend tragfähig

Die Gründung eines Gebäudes erfordert genaue Planung. Wenn der Baugrund unterschiedliche Bodenarten beinhaltet, ist es wichtig, die Gründungstiefen und die Art der Gründung richtig zu wählen. Liegt ein wenig tragfähiger Boden vor, sind umfangreiche Gründungsmaßnahmen erforderlich. Darunter fallen zum Beispiel ein Bodenaustausch oder eine tiefer gehende Gründung mittels Bohr- oder Rammpfählen.

Skizze: Ein Riss in der Wand aufgrund von unterschiedlichem Baugrund
Abbildung 1: Risse infolge eines nicht tragfähigen Baugrunds. BauMigo.de

Wird in nicht tragfähigem oder unzureichend verdichtetem Boden gegründet, werden die Setzungen stärker ausfallen als erwünscht. Die Setzungen können auch sehr ungleichmäßig stattfinden. Wie in Abbildung 1 dargestellt, können diese unterschiedlichen Setzungen dann zu Rissen im Mauerwerk führen. Ähnliche Rissbilder können auch bei unterschiedlich tragfähigen Böden auftreten.

Vermeiden können Sie das Problem mit dem erwähnten Bodengutachten und der Gründungsplanung. Auch sollte der Bodengutachter die Gründungsebene nach den Erdarbeiten abnehmen und beurteilen. Das ist notwendig, weil auf einem Baugrund nur einige Rammkernsondierungen durchgeführt werden. Das sind Bohrungen zur Bodenentnahme. Da der tatsächliche Verlauf der Bodenschichten von dem vermuteten Verlauf abweichen kann, sollte eine Beurteilung des Baugrunds stattfinden.

Auch nachträglich lässt sich das Problem beseitigen: Dafür wird nachträglich in dem nicht tragfähigen Bereich tiefer gegründet. Das kann mit einer schrittweisen Unterfangung oder mit Pfählen bis in die richtige Gründungsebene erfolgen. Da jeder Fall unterschiedlich ist, sollten Sie ein Konzept zur Instandsetzung erstellen lassen. Dabei arbeiten Tragwerksplaner, Bodengutachter und ein Sachverständiger für Schäden an Gebäuden zusammen.

Tipp: Bauen Sie neu, beauftragen Sie immer ein Bodengutachten!

2. Bauarbeiten

Wird in unmittelbarer Nähe zum eigenen Haus gebaut, kann es zu Rissen im Mauerwerk kommen. Das hat im Wesentlichen mit zwei Aspekten zu tun. Zum einen Erschütterungen, auf die wir im nachfolgenden Punkt eingehen, und zum anderen die Gründung der neuen Gebäude. Liegt die Baugrube der Baustelle tiefer als die Gründung des eigenen Hauses und direkt neben dem Haus, muss die Baugrube entsprechend gesichert werden. Kommt es zu einer Störung des Bodens, wie in Abbildung 2 dargestellt, können Risse in der Wand entstehen.

Skizze: Ein Riss in der Wand aufgrund von angrenzenden Bauarbeiten
Abbildung 2: Bauarbeiten am Nachbargrundstück können zu Rissen im Mauerwerk führen. BauMigo.de

Umgehen können Sie dieses Problem kaum, weil Sie als Eigentümer nur eingeschränkt auf eine solche Baumaßnahme einwirken können. Sehr wichtig ist es jedoch, eine Beweissicherung durchzuführen. Dabei betrachtet ein Experte alle Wand- und Deckenflächen vor einer Baumaßnahme und dokumentiert die Ergebnisse. Liegt dann eine Veränderung vor, wie zum Beispiel ein Riss in der Wand, besteht ein Zusammenhang zur Baumaßnahme und Sie können eine Beseitigung der Schäden fordern.

Wie die Schäden beseitigt werden können, hängt im Wesentlichen von der Art der Schäden ab. Schon normale Renovierungsarbeiten können kleine Risse im Innen- und Außenputz beheben. Hier werden Außenputz, Innenputz und Tapeten so überarbeitet, dass die oberflächennahen Risse verschwinden. Massive Rissbildungen mit breiten Rissen durch Mauerwerk und Beton müssen statisch beurteilt werden. Anschließend wird die Sanierung im Einzelfall genau bestimmt.

Tipp: Gibt es in unmittelbarer Nähe zu Ihrem Haus Bauarbeiten, sprechen Sie mit dem ausführenden Unternehmen eine Beweissicherung ab. Akzeptiert das Unternehmen, können Sie eigenständig eine Beweissicherung beauftragen. Damit haben Sie bei späteren Schäden die Möglichkeit Ihre Ansprüche geltend zu machen.

3. Erschütterungen

Es gibt mehrere Ursachen für Erschütterungen, die auf ein Gebäude einwirken. Darunter fallen die zuvor erwähnten Bauarbeiten oder auch Schwerlastverkehr. Die Erschütterungen übertragen sich über den Baugrund auf das Gebäude. In den meisten Fällen spüren Sie, wie das Gebäude leicht vibriert. Typische Bauarbeiten hierfür sind Verdichtungsarbeiten mit Geräten, die rütteln. Auch Arbeiten, bei denen durch Vibration Träger oder Wände in den Boden eingebracht werden, sind typisch. Wenn Rammpfähle in den Boden hineingerammt werden, entstehen ebenfalls oft Risse. Das liegt zum einen an der Beanspruchung durch Vibration. Zum anderen kann es zu einer Verdichtung des Baugrunds und damit zu ungeplanten Setzungen kommen. Das ist besonders bei nicht bindigen Böden der Fall.

Skizze: Ein Riss in der Wand aufgrund von angrenzenden Bauarbeiten oder Schwerlastverkehr.
Abbildung 3: Schwere Baugeräte in unmittelbarer Gebäudenähe können einen Riss in der Wand verursachen. BauMigo.de

Vermeiden lässt sich auch dieses Problem nicht. Die zuvor erwähnte Beweissicherung ist auch bei Erschütterungen sinnvoll. Natürlich gibt es auch leichte Erschütterungen, die keinerlei Auswirkungen haben.

Tipp: Ist bei Bauarbeiten die Erschütterung sehr deutlich zu spüren und bilden sich bereits erste Schäden am Gebäude, sollten Sie sofort die Bauleitung darüber in Kenntnis setzen. Besonders bei deutlichen Schäden sollten die Bauarbeiten bis zur Klärung unterbrochen werden.

Die Beseitigung der Schäden hängt wie zuvor von Ort und Umfang der Schäden ab. Ein Sachverständiger sollte die Risse im Detail untersuchen und anschließend ein Sanierungskonzept erarbeiten.

4. Entfeuchtung

Eine Ursache für Setzungen und damit auch für Risse im Mauerwerk ist die Entfeuchtung des Baugrunds. Besonders bindige Böden, wie Ton, Schluff (Lehm) oder Mergel verformen sich unter Zugabe oder Entzug von Wasser. Bei Wasserentzug schwindet (schrumpft) der Boden. Die Verformungen des Baugrunds führen wiederum zu Verformungen am Gebäude und zu Rissen in den Wänden. Ein Grund für die Entfeuchtung sind lange, trockene Sommer. Ein zusätzlicher Grund ist ein intensiver Bewuchs neben dem Gebäude. So kann beispielsweise das Wurzelwerk von Bäumen bis in die Gründungsebene und auch unter das Gebäude gelangen. Besonders wenn es keinen Keller gibt. Die Kombination von dichtem Bewuchs und trockenen Sommern kann dann zu massiven Setzungen führen.

Skizze: Ein Baum direkt neben dem Gebäude lässt den bindigen Boden austrocknen. Ein Riss in der Wand ist die Folge.
Abbildung 4: Wachsen Bäume und Sträucher direkt neben dem Gebäude, kann besonders bindiger Boden austrocknen. In Verbindung mit sehr trockenen Sommern entstehen Setzungen, die zu Rissen im Mauerwerk führen können. BauMigo.de

Hier besteht die Lösung in einer vernünftigen Garten- und Landschaftsplanung. Pflanzen Sie tiefwurzelnde Pflanzen nicht direkt neben das Gebäude. Berücksichtigen Sie bei den anderen Pflanzen das zu erwartende Wurzelwerk. Ein geeigneter Landschaftsarchitekt kennt diese Zusammenhänge und kann diese bei der Gartenplanung berücksichtigen. Bewässern Sie Ihren Garten dann noch, müssen Sie nicht mit einer so starken Entfeuchtung der Böden rechnen.

Bevor Sie die entstandenen Risse bearbeiten, müssen Sie deren Ursache beseitigen. Fällen Sie Bäume und Sträucher, die für die Entfeuchtung verantwortlich sind, oder pflanzen Sie sie mit genug Abstand zum Gebäude um. Dann nimmt der Boden über das Herbst-Winter-Halbjahr wieder mehr Feuchtigkeit auf und einige Setzungen bewegen sich zurück. Die nach Ablauf dieser Volumenzunahme des Bodens noch verbleibenden Risse, können Sie anschließend je nach Umfang und Art beseitigen.

Tipp: Je nach Situation lässt sich durch das Entfernen der Bäume und Sträucher die Setzung wieder reduzieren. Bevor Sie jedoch Fällungen vornehmen, informieren Sie sich über eine Fällgenehmigung. Zumindest, wenn bei der Gemeinde eine Baumschutzverordnung gilt, sollten Sie sich vorher eine Genehmigung besorgen.

5. Grundwasserabsenkung

Die unter „Entfeuchtung“ erwähnten bindigen Böden können auch bei einer Grundwasserabsenkung schwinden (schrumpfen) und damit zu Setzungen führen. Besonders kritisch ist die Situation, wenn der Baugrund nur teilweise aus bindigen Böden besteht. Dann fallen die Setzungen sehr ungleichmäßig aus und Risse sind höchst wahrscheinlich. Aber auch bei nicht bindigen Böden können Setzungen die Folge einer Grundwasserabsenkung sein. Solche Setzungen zeigen sich meist durch Risse im Mauerwerk.

Skizze: Eine Grundwasserabsenkung kann zu Rissen in der Wand führen.
Abbildung 5: Sinkt das Grundwasser, können Setzungen entstehen, wenn der Baugrund empfindlich auf Wasser Zu- und Abgabe reagiert. Dadurch können Risse entstehen. BauMigo.de

Eine geplante Grundwasserabsenkung bedarf einer wasserrechtlichen Erlaubnis durch die zuständige Behörde. Es lässt sich also nachverfolgen, ob eine Grundwasserabsenkung stattfand. Somit lässt sich auch untersuchen, ob ein Riss durch Grundwasserabsenkung entstanden ist.

Fazit bei baugrundbedingten Rissen im Mauerwerk

Um Risse durch Ursachen im Baugrund zu reduzieren, sind folgende Maßnahmen vor dem Bau eines Gebäudes notwendig:

  1. Bodengutachten
  2. Tragwerksplanung auf Grundlage des Bodengutachtens
  3. Beurteilung der Baugrube durch den Bodengutachter (nach dem Ausschachten)

Treten Fragen zur Gründung und zum Tragwerk auf, müssen sich Bodengutachter und Tragwerksplaner (Statiker) genau abstimmen. Verzichten Sie nicht aus Kostengründen auf ein Bodengutachten. Schließlich können Sie daraus nicht nur die erwähnten Erkenntnisse zur Gründung, sondern auch zur Versickerungsfähigkeit und zur Bauwerksabdichtung entnehmen.

Treten Risse in den Wänden auf und Sie vermuten die Ursache im Baugrund, dann sollten Experten die Situation beurteilen. Ein Sachverständiger für Schäden an Gebäuden kann eine Einschätzung vornehmen und wenn nötig Bodengutachter und Tragwerksplaner koordinieren, um die Ursache festzustellen.

Konstruktionsbedingte Risse im Mauerwerk

Neben den Rissen, die sich aus dem Baugrund ergeben, können auch konstruktionsbedingte Risse auftreten. Dabei sind verschiedene Teilbereiche berücksichtigt, wie Planungsfehler, Materialeigenschaften, Ausführungsmängel und ungünstige Materialkombinationen.

6. Durchbiegung der oberen Betondecke

Viele Gebäude werden mit Flachdächern aus Beton erstellt. Dazu zählen Ein- und Mehrfamilienhäuser und Garagen. Bei Flachdächern aus Beton unterscheidet sich die letzte Decke zu den darunterliegenden vor allem dadurch, dass keine wesentliche Auflast (Gewicht) darauf liegt. Denn während die Decken darunter mit dem nachfolgenden Geschoss belastet sind, liegt auf der letzten Decke kaum Auflast. Beton als Baustoff schwindet: Er verkleinert beim Abbinden (Trocknen) sein Volumen. Zusätzlich biegen sich die Decken durch. Wie in Abbildung 6 dargestellt, führt diese Durchbiegung mit dem zusätzlichen Einfluss des Schwindens zu Rissen im Mauerwerk. Die Schadensbilder treten sowohl innen als auch außen auf, da es sich in der Regel um einen durgehenden Riss in dem gesamten Wandquerschnitt handelt. Die Risse sind meist horizontal und treten am stärksten in den Eckbereichen auf.

Skizze: Rissbildung im Mauerwerk durch Schüsseln und Schwinden der obersten Decke.
Abbildung 6: Biegt sich die oberste Betondecke durch und schwindet, entstehen häufig Risse im darunterliegenden Mauerwerk. BauMigo.de

Wenn auf der Außenwand ein Außenputz aufgetragen wurde, ist die Rissbildung häufig zu sehen. Dadurch ist die Regendichtigkeit des Putzes beeinträchtigt. Wenn ein WDVS (Wärmedämmverbundsystem) erstellt wurde, überbrückt dieses meistens den Riss in diesem Bereich. Jedoch kann bei starker Rissbildung auch das WDVS reißen. Die Risse können direkt unterhalb der Decke auftreten, aber auch unterhalb der letzten Steinreihe. Die Betondecke hebt sozusagen die letzte Steinreihe mit an. Deshalb entsteht der Riss dann darunter. Er wird zwar als Riss in der Wand wahrgenommen, aber die Ursache ist für Experten klar zu erkennen.

Durch eine exakte Planung können diese Risse vermieden werden. Es können Betonstützen in den Außenecken des Mauerwerks verwendet werden, die die Decke in die darunterliegende Decke rückverankern. Auch kann der Eckbereich der Decke so getrennt werden, dass er nicht Schüsseln kann.

Sind die Risse schon aufgetreten, können Sie sie im Anschluss beseitigen. Sind die Durchbiegung und das Schwinden abgeschlossen, können Sie die Risse beheben. Die exakte Beseitigung hängt von der Art des Risses ab. Der Außenputz kann beispielsweise wiederhergestellt werden. Sollten umfangreiche Rissbildungen vorliegen, wirkt ein WDVS rissüberbrückend. Bei Altbauten, die schlecht oder Garagen, die nicht wärmegedämmt sind, kann außerdem die Temperaturverformung (eine der nachfolgenden Ursachen) im Anschluss Decke-Mauerwerk für wiederkehrende Risse sorgen.

7. Temperaturabhängige Rissbildung

Verschiedene Baustoffe dehnen sich bei Temperaturveränderungen unterschiedlich aus. Wenn die Materialien ungünstig geplant und verbaut wurden, dann können sich durch Temperaturschwankungen unterschiedliche Längenausdehnungen ergeben. Risse sind die Folge. In der nachfolgenden Tabelle werden die unterschiedlichen Temperaturausdehnungskoeffizienten aufgeführt. Daran lässt sich erkennen, dass Bauteile durch Ausdehnen und Verkürzen Spannungen aufbauen. Risse sind häufig das Ergebnis.

Skizze: Temperaturbedingte Verformungen können zu Rissen führen.
Abbildung 7: Verformungen aufgrund von Temperatureinflüssen können zu Rissen führen. Sie sind besonders im Materialübergang vom Mauerwerk zu Beton sichtbar. BauMigo.de

Die zu erwartenden Temperaturdehnungen sind in der DIN EN 1996-1-1/NA:2019-12 festgehalten. Eine Temperaturänderung kann je nach Lage des Bauteils 40°C und mehr zwischen Sommer und Winter betragen. Die unterschiedliche Längenausdehnung kann also einige wenige Millimeter betragen. Auch hierdurch könne Risse entstehen.

Zu reduzieren sind solche Risse durch gute Planung. Grade an Übergängen von Bauteilen sind Risse aber nicht immer völlig zu vermeiden. Hier sind entsprechende Fugen auszuführen oder Außen- und Innenbekleidungen zu wählen, die die Risse überbrücken.

Tipp: Sind temperaturbedingte Risse aufgetreten, analysieren Sie, ob eine Fuge ausgeführt werden kann. Alternativ können Sie die wiederkehrenden Risse optisch überdecken. Ein WDVS wirkt meist rissüberbrückend.

8. Verdrehung am Deckenauflager

Horizontale Risse, die direkt an dem Deckenauflager und an der darunterliegenden Steinreihe zu sehen sind, treten häufig durch eine Verdrehung des Deckenauflagers auf. Genauso, wie bei der zuvor erwähnten oberen Betondecke, kann durch verschiedene Einflüsse die Decke stärker durchbiegen als gewollt. Dadurch kann die in Abbildung 8 dargestellte Verdrehung entstehen.

Skizze: Rissbildung im Mauerwerk durch Verdrehungen des Deckenauflagers.
Abbildung 8: Wenn das Deckenauflager eine Verdrehung durch die Durchbiegung der Betondecke erhält, können Risse im Mauerwerk entstehen. BauMigo.de

Bei der Planung sind alle auf das Bauwerk eintretenden Faktoren zu berücksichtigen. Abhängig von der verwendeten Konstruktion sind auch die Deckenauflagen korrekt zu planen. Deutlich sichtbar sind die Risse in den Außenwänden, wenn monolithisch gebaut wird. Ein WDVS überbrückt oft die Risse im Außenbereich. Wie die Darstellung zeigt, können auch Risse im Innenbereich auftreten. Diese können aber einfach bei der nächsten Renovierung geschlossen werden. Außerdem liegt der Kimmstein häufig niedriger als der Estrich. Damit fällt der Riss gar nicht erst auf.

Führen die Risse im Mauerwerk zu einem gerissenen Außenputz, sollte dieser instandgesetzt werden. Sie können davon ausgehen, dass die Verdrehung nicht permanent fortschreitet. Daher können Sie die ruhenden Risse schließen. Je nach Menge der Risse kommt eine Wiederherstellung der ganzen Fassade in Frage. Dabei ist ein neuer Außenputz oder ein WDVS eine Option, sobald die Rissbildung abgeschlossen ist. Wenige Risse sollten Sie aus Kostengründen lokal sanieren.

9. Quellen und Schwinden am Mischmauerwerk

Besteht das Mauerwerk innerhalb eines Gebäudes aus unterschiedlichen Materialien, können Risse in den Wänden entstehen. Eine hierfür typische Ausführung sind Wohngebäude, die sowohl aus Ziegel als auch aus Kalksandstein gebaut wurden. Kalksandstein schwindet, wie die meisten Baustoffe. Das heißt, er verringert nach dem Bauen noch sein Volumen. Die Wand wird also geringfügig kürzer. Auch Porenbeton, Betonsteine und Stahlbeton schwinden. Ziegel hingegen kann chemisch quellen, er kann also sein Volumen vergrößern.

Skizze: Quellen und Schwinden bei Mischmauerwerk von Kalksandstein und Ziegel kann zur Rissbildung führen.
Abbildung 9: Ist die Kombination von Innenwänden aus Kalksandstein und Außenwänden auf Hochlochziegel nicht gut genug geplant, sind Risse die Folge. BauMigo.de

Eine übliche Ausführung für Mehrfamilienhäuser sind Innenwände aus Kalksandstein und Außenwände aus Hochlochziegel. Diese Bauweise kombiniert die guten Schallschutzeigenschaften des Kalksandstein mit der guten Wärmedämmung des Hochlochziegels. Das ist prinzipiell eine gute Wahl. Wie die Abbildung 9 zeigt, kann das jedoch zu Rissen im Mauerwerk führen. Dadurch bietet die Bauweise einige Risiken. Die exakten Werte für chemisches Quellen und Schwinden sind der DIN EN 1996-1-1/NA:2019-12 zu entnehmen. Die Differenz der Baustoffe kann bei Berücksichtigung des möglichen Wertebereichs zwischen 0,0 mm/m und 0,6 mm/m liegen. Gerade bei mehrgeschossiger Bauweise summieren sich die unterschiedlichen Verformungen und treten im letzten Geschoss am stärksten auf.

Eine genaue Planung schafft Abhilfe. Höhere Druckfestigkeiten, die Verbindung der Wände untereinander und deren Anordnung sind nur einige Aspekte, die die Rissbildung in diesen Bereichen reduzieren. Sind die Risse bereits vorhanden, gibt es unterschiedliche Möglichkeiten sie zu beseitigen. Hierfür sollte ein Sachverständiger ein Sanierungskonzept erstellen oder die Sanierung begleiten.

10. Lasten aus dem Dachstuhl (unzureichende Ableitung von Horizontallasten)

In den letzten Jahren erhöhen sich die Anforderungen in Bezug auf Wind und Schneelasten. Das liegt unter anderem an den immer extremeren Wetterereignissen. Die erhöhten Anforderungen müssen jedoch nur bei Neubauten eingehalten werden. Bei Bestandsgebäuden kann die höhere Belastung zu Rissen in den Wänden führen.

Skizze: Rissbildung im Mauerwerk durch mangelnde Aufnahme von Horizontalkräften.
Abbildung 10: Treten im Dachstuhl zu hohe Lasten auf, zum Beispiel durch höhere Wind- oder Schneelasten, können Risse entstehen. BauMigo.de

Ein besonderes Problem in den letzten Jahren war die Ausführung von Nagelplattenbindern. Das sind im Werk hergestellte Fachwerkträger, die mit Nagelplatten verbunden sind. Es handelt sich dabei aber nicht um Metallverbindung, die mit richtigen Nägeln verbunden sind. Nagelplattenbinder sollten besser von Experten geprüft werden.

Ist der Dachstuhl für eine gewisse Last nicht ausgelegt, können horizontale Kräfte ins Mauerwerk eingeleitet werden. Als Ergebnis sind Risse in der Wand zu sehen.

Vermeiden lassen sich solche Risse durch richtige Planung. Bevor der Riss als solches beseitigt wird, muss der Dachstuhl ertüchtigt werden. Ein Tragwerksplaner ermittelt die notwendigen Maßnahmen, die dann baulich umgesetzt werden. Nach der erfolgten Instandsetzung des Dachstuhls können die Risse je nach Art und Umfang bearbeitet werden.

11. Ungünstige Anordnung von Öffnungen

Sind die Öffnungen in einem Mauerwerk nicht gleichmäßig und übereinander angeordnet, müssen die Kräfte innerhalb der Wand umgeleitet werden. Durch diese Umleitungen entstehen Zugspannungen, die dann zu Rissen im Mauerwerk führen. Die Rissbreite und die Risshäufigkeit nimmt beim Gebäude von oben nach unten zu. Der Grund: Die Lasten nehmen bis ins Erdgeschoss zu.

Auf dem nachfolgenden Bild ist deutlich ein Riss in der Wand zu erkennen. Die Fensteranordnung ist ungünstig geplant. Somit ist der Riss eine Folge der entstehenden Zugspannung. Der Riss entsteht unter den Fenstern im Obergeschoss und neben dem Erdgeschoss-Fenster.

Ein Riss im Mauerwerk bei ungünstiger Anordnung der Fensteröffnungen
Ungünstige Öffnungen im Mauerwerk können zu Rissen führen (Riss nachgezeichnet). Foto: A. Flach

Auch diese Art von Riss lässt sich durch gute Planung vermeiden. Besonders dem Architekten und dem ausführenden Tragwerksplaner müssen die Folgen der Anordnungen der Öffnungen in Außenwänden klar sein.

Sind die Risse wie im Bild bei einem älteren Bestandsgebäude bereits vorhanden, können die Risse mittels Gipsmarken beobachtet werden. Ist die Rissbildung abgeschlossen, können Sie die Risse sanieren.

12. Schwindverhalten großformatiger Steine

Bei Mauerwerk können feine Haarrisse innerhalb der Fugen auftreten, weil das Mauerwerk schwindet. Besonders bei großformatigen Mauersteinen, die es aus den meisten Materialien gibt, entstehen Risse innerhalb der Lager- und Stoßfugen. Das liegt daran, dass sich das Schwindverhalten auf weniger Fugen aufteilen kann und damit in der einzelnen Fuge größer auftritt als bei kleinformatigen Steinen. Diese Rissbildungen sind besonders durch gradlinige vertikale oder horizontale Risse sowie durch abgetreppte Risse zu erkennen. Wenn die Lagerfugen unzureichend mit Dünnbettmörtel ausgefüllt sind, verstärkt das den Effekt.

Skizze: Rissbildung im Mauerwerk durch das Schwinden von großformatigen Steinen.
Abbildung 11: Bei großformatigem Mauerwerk werden die Risse durch Schwinden über weniger Fugen verteilt. Dadurch fallen sie größer aus als bei kleinformatigem Mauerwerk. BauMigo.de

Diese Rissbildung lässt sich nicht ganz vermeiden. Aber bei richtiger Ausführung sollten die Risse im Mauerwerk nicht bis an die Oberfläche des Außenputzes dringen. Damit sind die Rissbildungen an sich unkritisch. Nur eventuell gerissene Oberfläche sollten Sie wiederherstellen.

13. Kriechen (Verformung unter Last)

Zunächst hört sich die unter Last auftretende Verformung „Kriechen“ etwas merkwürdig an. Es ist aber der technische Fachbegriff. Was ist damit gemeint? Trägt ein Mauerwerk große Last, kann eine Verformung unter dieser Last stattfinden. Der Baustoff wird kleiner und die Verformung bleibt oder bildet sich nur langsam und teilweise zurück, auch wenn die Last wieder entfällt. Anders als beim Schwinden ist dieser Vorgang aber direkt von der Belastung abhängig. In der DIN EN 1996-1-1/NA:2019-12 sind Werte für die zur Berechnung herangezogene Endkriechzahl enthalten.

Vermeiden lässt sich Kriechen nicht völlig. Jedoch können die Auswirkungen durch gute Planung reduziert werden. Der Tragwerksplaner sollte das entsprechend berücksichtigen. Es gibt Maßnahmen die reduzierend wirken, wie eine höhere Rohdichte des verwendeten Mauersteins. Da Kriechen nur eine von vielen Verformungen ist, muss untersucht werden, wie der Riss entstanden ist. Da die Verformung durch Kriechen mit der Zeit abnimmt, können Sie den Riss sanieren, sobald er sich nicht mehr weitet.

Risse im Mauerwerk sanieren

Bei den meisten Rissen im Mauerwerk sollten Sie vor der Sanierung zunächst die Ursache bestimmen. Stellen Sie dabei fest, dass die Rissbildung abgeschlossen ist und auch kein wiederholender Effekt, zum Beispiel durch Temperaturdehnung, eintritt, können Sie den Riss sanieren. In vielen Fällen reicht eine oberflächliche Sanierung des Innen- und Außenputzes aus. Von innen ist dann die Optik und von außen der Wetterschutz wiederhergestellt.

Eine ausführliche Beschreibung zum Thema Riss-Sanierung ist in dem WTA Merkblatt 7-1 „Erhaltung und Instandsetzung von Mauerwerk – Konstruktion und Tragfähigkeit“ zu finden. Das Merkblatt beschreibt dem Fachmann, welche Instandsetzungsmöglichkeiten es gibt.
Müssen Sie einen Riss in der Wand nicht nur oberflächlich, sondern auch im Mauerwerk verfüllen, bieten sich mehrere Materialien zum Verfüllen des Risses an. Zum einen sind das Mörtel oder Dünnbettmörtel, mit denen das Mauerwerk erstellt wurde. Zum anderen weitere Verfüllmaterialien auf Zementbasis. Bei erdberührtem Mauerwerk können Risse einen Wassereintritt bewirken. Hier kann dann mit Epoxidharz oder anderen Kunstharzen verpresst werden.

Besonders bei älterem oder historischem Mauerwerk haben sich Spiralanker(*) für eine Sanierung der Risse bewährt. Dabei werden die Mauerwerksfugen im Rissbereich geöffnet, verdrillte Edelstahlstäbe (Spiralanker) in die Fugen des Mauerwerks eingesetzt und dann mit einem Spezialmörtel verschlossen. Das hat in vielen Fällen dazu geführt, dass die Risse nicht in gleichem Umfang auftraten und überbrückt wurden.

Sind im Mauerwerk erhebliche Schäden vorhanden, sollte je nach Schaden ein Tragwerksplaner oder ein Bausachverständiger eine Untersuchung anstellen und ein Sanierungskonzept erstellen.

Thomas Möller

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Hinzunehmende Unregelmäßigkeiten bei Gebäuden: Typische Erscheinungsbilder ― Beurteilungskriterien ― Grenzwerte

Welche Unregelmäßigkeiten sind überhaupt Mängel? In welchen Fällen müssen sie beseitigt werden? Wie hoch ist ein Minderwert anzusetzen? Dieser Leitfaden informiert darüber, welche Unregelmäßigkeiten an Gebäuden wie z.B. Farbabweichungen, Verschmutzungen, Beschädigungen, Unebenheiten oder Rißbildungen nicht zum Gegenstand von Streitigkeiten gemacht werden sollten bzw. wie bei unklaren Verhältnissen am besten vorzugehen ist. Mehr erfahren

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